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Wecker im Kopf
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Kapitel 2

Lebensgefühl


Ich denke an die Stadt im Westen

Ich denke an die Stadt im Westen
voll trauter Lichter Sonnentau.
Jene Stadt kenn ich am besten,
liebte dort manch schöne Frau.

Des Lebens Marsch zieht lange Pfade
durch das Raum-Zeit-Gefüge hin
und viel zu selten bin ich grade,
dort, wo ich am liebsten bin.


Ab und zu

Ab und zu reiß ich
bei mir ein paar Wände ein
und dann weiß ich
wieder: es kann alles
auch ganz anders sein.

Ab und zu schreib ich
mal wieder einem alten Freund.
Ab und zu reib ich
ich die Augen und frag mich,
ob ich träum.

Ab und zu reiß ich
mein Adreßbuch entzwei
und dann weiß ich,
wer mich mag, kommt eh mal vorbei.

Ab und zu versuch ich,
mal ganz langsam zu reden,
damit ich mir selbst zuhören kann.
Ab und zu fluch ich
fast über jeden,
doch gibt es manchen,
der mich nie stören kann.

Ab und zu fühl ich
mich zu zweit noch allein.
Ab und zu bin ich
auch allein nicht allein.


Nein, so etwas!

Ich sah Verliebte, die sich küßten,
als ob sie nicht was Bess‘res wüßten,
stundenlang und unbeweglich!
Sagen Sie, ist das nicht eklisch?

Stehen da im Park herum
- alle Leute drehn sich um -
küssen sich lang, schier unendlich!
Sagen Sie, ist das nicht schändlich?

In den Augen - diese Feuer!
Nein, die Jugend - ungeheuer!
Welch ein Anblick - unerquicklich!
Sagen sie, ist das denn schicklich?

Lachend gehn die beiden weiter.
Es scheint, als fänden sie‘s noch heiter!
Fühlen sich wohl ach, so wichtig.
Sagen Sie, ist das denn richtig?

Nein, nein diese Jugend heute -
lüstern, schamlos, Triebesbeute!
Und die Kurven - so ausführlich!
Sagen Sie, ist das natürlich?


Solang sich Banken noch in Marmor kleiden

Solang sich Banken noch in Marmor kleiden,
doch Arme schweren Hunger leiden,
solang fühl ich mich unbequem
in unserem „Sozialsystem“.

Solang Atome uns verstrahlen
und Götzen sind uns Geld und Zahlen,
solang kann ich nicht stille ruhn;
es gibt so schrecklich viel zu tun.

Solang wir uns nicht öffnen wollen,
verstecken uns in feigen Rollen,
solang wird´s keinen Frieden geben
im menschlichen Zusammenleben.

Solang wir unsre Kleider lieben
und nicht die wahre Liebe üben,
solange werden - Mensch sei dank -
unsre Körperchen noch krank.


Gathering
(jährliches Treffen der alternativen Szene)

Ein Gathering im Weizenfeld
gehört für mich ganz zweifellos
so mit zum Schönsten auf der Welt
(und diese Welt ist ziemlich groß).

Da läuft man rum, nackt oder nicht
und tanzt zu Rhythmen und Gesängen,
lacht Leuten mitten ins Gesicht
und ist befreit von vielen Zwängen.

So mancher hat da schlammbedeckt
sich selbst als „Model“ schon entdeckt
und stellt sich als Neandertaler
vor Kamera und Körpermaler.

Es lockt die Sauna urgemütlich,
drauf springt man nackend in den Fluß.
Hier ist man Mensch, und das macht friedlich,
weil man viel darf und wenig muß.

Der Tandra-Kurs ist auch nicht übel;
dort erlernen Frau und Mann,
wie erotisch und sensibel
man sich doch verwöhnen kann.

Die Glocke ruft zum Abendessen,
worauf zum Topfe alle stürzen.
Leider hat der Koch vergessen,
die Suppe etwas nachzuwürzen.

Im Teepee, dem Gemeinschaftszelt,
dem Treff der Hobby-Indianer,
trifft man sich abends wie bestellt
zwecks Erforschung des Nirwana.
  
Da gilt´s die Seele auszuloten,
indem man aus dem Herzen spricht.
Tiefsinn und Wahrheit sind geboten!
Der Eine mag´s, der Andre nicht.

Nachts ruft der Sweatlodge heiße Mitte
aus schwarz-rot glühendem Gestein;
geheimnisvolle Sangessitte
läßt dich ganz woanders sein.

Dort kriecht die Mystik alter Zeit
in deinen heißen Körper rein,
bis deine Seele aus dir schreit,
denn sie will näher bei dir sein.

Mit einem Wort – das Mikroklima
für Veränderung ist prima.
Doch für tiefe inn´re Wandlung
besteht oft kein Bedarf der Handlung.

So mancher - hab ich das Gefühl -
entkommt zwar dem Großstadtgewühl,
doch nur, um dann auf diesen Wiesen
das Anders-Sein kurz zu genießen.

Wie dem auch sei –
ich freu mich schon
auf´s gleiche Treffen nächstes Jahr,
weil´s heuer so erquicklich war.
 
(Sweatlodge = indianische Schwitzhütte)


Stiefelschritte

Pssst! Ich hör in unsrer Mitte
leise, leise Stiefelschritte:
Linkszwodrei und rechtszwodrei!
Ein Göbbels, der ist auch dabei.

Es marschiert in deutschen Landen
ein neues Heer von braunen Banden;
die tragen stolz auf rotem Laken
das alte Zeichen mit vier Haken.

Haltet doch nur einmal inne!
Mit ewiger Betriebsamkeit
berauscht ihr euch die wachen Sinne!
Lauscht doch mal in den Wind der Zeit!

Wie will der denn die Zeichen deuten,
der Augen nur für Mammon hat?
Ist dir wie leider vielen Leuten
für´s Handeln denn die Zeit zu schad?

Wir hasten, eilen, wirken, schaffen
und rennen stöhnend durch das Leben
und vergessen bei dem Raffen,
auch nach Höherem zu streben.

So kreiert man dunkle Mächte;
die kriechen jedem, der verklemmt,
im Schutze angsterfüllter Nächte
in Unterhos´ und Unterhemd.

Wie gerne würden wir erschlagen,
erschießen und erhängen,
alles, was wir nicht ertragen.
Wir lieben das Verdrängen.

Nur wer zu seinen Schwächen steht,
und trotzdem tapfer vorwärts geht,
der kann dem Teufel nackt sich zeigen.
Das ist nicht vielen Menschen eigen.

Nur wer den Teufel in sich kennt,
wer ihn bei seinem Namen nennt,
wer eigne Schattenseiten sieht
und nicht vor dieser Wahrheit flieht,

der kann in andern ihn bezwingen.
Doch wer sich selber gern versklavt,
der wird als Schwächling schnell entlarvt,
wenn Braune ihre Fahnen schwingen.

Was uns bewegt, was uns mißfällt,
will uns am meisten sagen.
Drum nützt es niemand auf der Welt,
den Lehrer zu erschlagen.


Ich brauch eine Frau

Ich brauch eine Frau.
Ob wasserstoffblond,
ein Gesicht wie ein Mond,
die Haut aschenfahl,
das ist mir egal.

Ich brauch eine Frau,
die das Neue noch liebt,
Liebe nimmt und auch gibt,
sich was gönnt jeden Tag
und sich selbst richtig mag.

Ich brauch eine Frau,
die von Herzen gern lacht,
die ein Feuer entfacht,
über Schönes sich freut,
doch auch Tränen nicht scheut.

Ich brauch eine Frau
mit zärtlicher Hand,
mit Herz und Verstand,
die die Wahrheit spricht;
mehr brauche ich nicht.


Mallorca

Wißt ihr, ich wollt´ schon seit Jahren
einmal nach Mallorca fahren,
und heuer war es dann soweit,
da hatt´ ich Geld und Lust und Zeit.

Von Deutschland hatt´ ich auch genug,
drum flog ich mit ´nem Charterflug
runter zu den Balearen,
den Inseln, jenen wunderbaren,

zur deutschen Kolonie im Süden,
zum Mekka aller Arbeitsmüden.

In Palma grüßt mich gleich die Hitze;
der Schweiß dringt mir aus jeder Ritze.
Kaum hab´ ich ein Hotel gebucht
und es alsbald auch aufgesucht,

da zieht es mich schon an den Strand
mit meinem Handtuch in der Hand.
Dort liegen tausend Busen schon;
teils sind sie echt, teils Silikon,

kleine, große, runde, spitze
braten in der Sonnenhitze.
Selbst Oma´s lange Schlappertitten
sind braun gebrannt wie Pommes Fritten.

Hier zeigt ein jeder, was er hat!
Hier wird das Kennerauge satt!
Hier sind die Ärsche unbedeckt,
weil so ein Tanga nichts versteckt.

Man spart an Sonnencreme und Hut;
das tut der Urlaubskasse gut!
Die Haut, die trägt man eh zum Markt,
drum, wer da in der Sonne parkt,

der zeigt oft wenig Feingefühl.
Ein guter Platz im Strandgewühl
besitzt den höchsten Stellenwert;
wer sich nicht röstet, lebt verkehrt!

Wer jede Sonnenstunde ehrt,
wird braungebrannt und hochbegehrt
bei den Kollegen im Büro.
Das stimmt zwar nicht, doch denkt man so.

Als ich dann, noch leicht verdattert
ein Plätzchen endlich mir ergattert
in dem dichten Menschgetümmel,
da regt sich schon mein kleiner Lümmel.

Ich dreh´ mich schleunigst auf den Bauch,
wobei ich mir mein Glied verstauch´,
und denke: “Diese Szene ist
nur für einen Masochist!

Doch hilft es mir nichts, mich zu schämen,
denn es ist Zeit, mich einzucremen.
Ich hab´ gekauft mit Vorbedacht
Sonnenmilch mit Faktor acht.

Gleich neben mir die hübsche Frau
nimmt´s mit dem Cremen sehr genau.
Gründlich massiert sie ihre Brüste
und wieder kriege ich Gelüste…

mir sind scheinbar Ruh´ und Frieden
in diesem Urlaub nicht beschieden.
Ich muß mich immer wieder fragen,
wie Andre diesen Streß ertragen.

Ich grübelte darüber Stunden,
dann hab´ die Antwort ich gefunden:
Mann verdrängt hier seine Sorgen!
Die einen saufen schon am Morgen

den Sangria aus einem Kübel;
schon beim Anblick wird mir übel!
Andre trinken roten Wein,
der läßt sie ganz woanders sein.

Manche trinken mächtig Bier,
die Bäuche dick, die Blicke stier;
Andre machen Männer froh
und gehn zu zweit auf´s Herrenklo.

Doch Liebe, Schmusen, Zärtlichkeit,
die sieht man nirgends weit und breit.
Man liebt hier nicht, hier lebt man drastisch
und alle finden das fantastisch.

Aus dem Radio dröhnt ein Lärm
den Badenden in das Gedärm.
Eine Kegelgruppe johlt,
die grad´ die nächste Runde holt;

ihr dröhnt der Abschaum deutscher Seele
als Liederfetzen aus der Kehle.
Wen das Playa-Fieber packt,
wer täglich tief im Suff versackt,

das behaupt´ ich fest und steif,
der ist nachher urlaubsreif!
Doch wer dem Trinken sich entsagt,
der ist ebenfalls geplagt:

Von dem ew´gen Rausch der Sinne
gibt´s in Palma kein Entrinne´.
So laß ich mich nach sieben Tagen
vom Flugzeug Richtung Heimat tragen,

und von dem ganzen Saus und Braus
ruh´ ich mich zu Hause aus!


Meine Heide

Manch Eisklotz liegt auf Grönland,
manch Strandkorb liegt auf Sylt;
ich liege auf der Heide,
die mich von unten kühlt.

Der Teufel fährt zur Hölle,
der Wind fährt mir ins Haar;
Ich fahre in die Heide,
das find´ ich wunderbar.

Der Müller mahlt Getreide,
bis sich der Mahlstein biegt;
Ich male meine Heide,
die blühend vor mir liegt.

Manch Schiffer möcht´ nach Kapstadt,
manch Bayer möcht´ nach Föhr;
ich möchte zu der Heide,
doch Heide möcht´ nicht mehr.


Ein brüchiges Gedicht

Ich brach mir das Schienbein
in Hohenstaufen,
da war ich im Sommer
zum Wasserskilaufen.

Ich brach mir in Wien
das Schlüsselbein,
da ließ man mich nicht
in den Prater rein.

Ich brach mir ´nen Knöchel
in Paris,
der schwoll sehr an
und schmerzte ganz fies.

Ich brach mir in Salzburg
das Herzelein.
Ich möchte niemehr
in Salzburg sein!


Idylle

Es duftet nach Wiesen,
nach grünenden Äckern.
Die Menschen sind friedlich,
wer will da noch meckern?

Das Wetter ist schön
und die Landschaft ist herrlich,
der Kanzler ist gut
und die Minister sind ehrlich,

die Vögel, die singen,
die Preise, die steigen,
die Ampeln, die schalten,
ein Maurer übt geigen,

das Fernsehen sendet,
das Radio tut´s auch,
Schornsteine senden
gen Himmel den Rauch,

ein Aufzug fährt ´rauf ,
ein anderer ´runter,
es streiten zwei Katzen
sich unterm Holunder,

im Hof spielen Kinder,
ein Bus rast vorbei,
es blättert ein Ohrwurm
in der Bücherkartei,

mein Dobermann zerrt grad
´ne Leiche herein.
Wovon kann der bloß
so blutdürstig sein?

Alles ist friedlich
und alles ist bieder.
Nur die Studenten,
die streiken schon wieder.


Nach der Party

Fort sind grad die letzten Gäste.
Auf dem Tisch noch Essensreste
zwischen Popkorn-Zeug zum Naschen;
unterm Tisch die leeren Flaschen.

Welch ein Abend - nicht zu fassen,
waren wir heut ausgelassen!
Scherzten wie die kleinen Kinder,
eiferten als Wort-Erfinder,

blödelten eins um die Wette,
wer die doofsten Witze hätte,
spielten Orgel, sangen Lieder,
manche schlüpfrig, manche bieder,

vor allem völlig falsch und laut,
daß es dem braven Nachbarn graut.
Kopfschüttelnd ringt der seine Hände
bis zum nächsten Wochenende.


Schneller

Jeden Tag renn' ich schneller auf der Stelle.
Früher kaufte ich bei Quelle
alle meine Kleider ein.
Heute muß es Bossi sein!.

Ich fahre monatlich nach München.
Alles beugt sich meinen Wünschen.
Endlich, endlich bin ich wer!
Keine vierzig Stunden mehr!

Ich gehör´, wie man das nennt,
zum gehobenen Establishment.
Sicher mußt´ ich manchmal lügen,
hier bestechen, da betrügen.

Was soll´s, das macht doch jeder so!
Hauptsache, man kann dann froh
und unbeschwert sein Werk genießen,
wenn die D-Mark-Ströme fließen.

Ich mache jetzt seit Jahren schon
jährlich locker ´ne Million.
Einer ist des andern Wolf!
Und wer Kontakte braucht, spielt Golf.

Wer zögert, der hat schon verloren,
hat Schulden über beide Ohren,
und geht auch meist ruckzuck kaputt.
So mancher nahm schon seinen Hut

oder nahm sich gar das Leben,
so ist es in der Wirtschaft eben!
Es diktiert das Kapital;
da bleibt mir leider keine Wahl.


Midlife-Krise

Als Mensch ist man sich oft nicht klar,
wie schrecklich schnell die Zeit verrinnt.
Man wirkt und schafft so Jahr um Jahr,
und ehe man sich recht besinnt,

da kommen schon die grauen Haare,
falls man sie überhaupt noch hat,
die Kinder kommen in die Jahre,
Sex findet nur noch selten statt,

die Firma zählt dich zu den Alten,
die Jungen sägen dir am Ast,
dein Gesicht kriegt langsam Falten,
und Treppensteigen wird zur Last.

Dein Bierbauch paßt in keine Hose,
dein Charisma, das ist dahin.
Dein Gesicht ist ‘ne Symbiose
von Stoppelbart und Doppelkinn.

Deine Frau hat dich verlassen,
dein Kegelclub ist dein zuhaus.
Du wanderst einsam durch die Straßen,
denn daheim hältst du’s nicht aus.

Du fragst dich nach dem Sinn des Lebens,
und was dich eigentlich noch hält.
War alles wirklich denn vergebens?
Hast du den falschen Weg gewählt?

Tausend Tage voller Fragen,
tausend Nächte ohne Schlaf.
Keinen int’ressiert dein Klagen;
an Selbstmitleid ist kein Bedarf.

Deine selbstgeschaffne Welt
wird dir mehr und mehr zur Qual,
denn es hilft dir nicht dein Geld
raus aus deinem Jammertal.

Unsere Gefängnismauern
haben wir uns aufgetürmt,
daß sie Jahre überdauern
und nicht fallen, wenn es stürmt.

Doch die schönste aller Zellen
kann nicht das Gemüt erhellen,
wenn das Tor zur Freiheit fehlt.

So schaufeln wir uns selbst die Grube,
hocken in der guten Stube
und fühlen uns total entseelt.


Wahlkampf

Manches Wort ist gar zu billig,
wird unendlich wiederholt.
Politik hat allzu willig
tausendmal uns schon verkohlt.

Platte Worte, hohle Sätze,
hundert abgedrosch’ne Phrasen,
unsachliche Wahlkampfhetze
hört man jetzt auf allen Straßen.

Jeder handelt hier mit Ängsten,
gräßlich anzuhörn und -schaun.
Sollen den Parteibuch-Hengsten
wir uns wirklich anvertraun?

Stecken da noch Menschen hinter
medien-mäßiger Fassade?
Steht denn so ein Heilsverkünder
je für seine Taten grade?

Ach, ich bin des Wählens müde,
denn mein Kreuzchen wird mißbraucht;
ihm wird in der Intrigenschmiede
das bißchen Leben ausgehaucht.

Auf dem Mahlstein der Int’ressen
wird zerrieben jeder Sinn.
Moral, die ist schon längst vergessen;
was heute zählt, das ist Gewinn.

Im Gestrüppe von Gesetzen
verliert sich unsre Menschlichkeit.
Vernunft, die kann man nicht ersetzen
durch einen Haufen Obrigkeit.

Wir sind so schrecklich schriftgelehrt,
wahre Meister der Kontrolle.
Wir kennen richtig und verkehrt;
was sonst noch ist, spielt keine Rolle.

Durch das Dickicht der Extreme
sehn wir kaum das Tageslicht,
bleiben blind für die Probleme,
sehn die Hand vor Augen nicht,

schlurfen stumpf im Alltagstrott,
so, als gäb’ es nichts zu tun.
Mich läßt unser Seelenschrott
nicht mehr wie Schneewittchen ruhn.

Diese Welt ist unser Spiegel,
was ihr fehlt, das fehlt auch uns.
Wir brauchen Liebe statt mehr Prügel,
statt Schufterei mehr Lebenskunst.

Greif dir selber in die Zügel!
Schaff dir Klarheit in dem Dunst!
Schau die Welt von einem Hügel!
Leb’ dein Leben nicht umsunst!


Wahltag

Wählt, Leute, wählt!
Was guckt ihr so gequält?

Raus aus euren Federbetten,
raus aus euren Plüschkarossen,
es gilt das Vaterland zu retten!
Mit dem Kreuzchen, Volksgenossen,

da wird alles anders werden!
Und kommt mir ja nicht mit Beschwerden!

Fühlt der Bleistift heute auch
sich besonders bleiern an,
denkt daran:
eure Stimme wird gebraucht,
daß der Schornstein wieder raucht!

Wählt, Leute, wählt!
Was guckt ihr so gequält?
Kann euch denn von den Parteien
keine einzge mehr erfreuen?

Wird euch gar der Mund schon schal
vor dem Gang zum Wahllokal?
Seht, wie schön die Vögel ziehn!
Und auch paar Bäume sind noch grün!

Jungs, wir haben keine Wahl:
heute geht’s ins Wahllokal.
Wählt, Leute, wählt!
Was guckt ihr so gequält?

Wählt Fortschritt, Wohlstand, Expansion!
Wählt das Wachstum, liebe Leute!
Ihr lebt nicht morgen, sondern heute.
Stumm folgt der Söldner der Schwadron.


Denk nicht, Neandertal sei weit!

Nicht immer will ein Mensch ein Mensch
und nicht ein Raubtier sein.
Wir geben uns so kultiviert,
und sind doch oft ein Schwein.

Unser Denken ist oft schlechter,
als es einem Mensch gebührt.
“Wo kein Kläger, da kein Richter!”
wird oft kindisch aufgeführt.

Mensch meint, er rettet seine Haut,
wenn er betrügt, wo niemand schaut.

Einer sprach: “Gebt ihr dem Kaiser
alles, was des Kaisers ist!"
Zweitausend Jahre sind wir weiser?
Was für eine kurze Frist!

Wir lehren Kinder schon, zu schießen;
es blüht die Waffenproduktion.
Heißt das nicht auch : Blutvergießen?
Reichen nicht die Kriege schon?

Nicht immer will ein Mensch ein Mensch
und nicht ein Raubtier sein.
Wir geben uns so kultiviert,
und sind doch oft ein Schwein.

Denk nicht, Neandertal sei weit!
Es steckt uns noch im Unterkleid!


Lesen?

Ein Mensch, der viel und gerne liest
weiß oft nicht, was er da genießt,
dient doch Buch sowohl als Zeitung
oft nur Lügen zur Verbreitung
oder reiner Phantasie.

Doch findest du das Lesen schlecht,
dann hast du auch nicht völlig recht.
In manchem Buch ist gut versteckt,
was man von selbst nur schwer ebtdeckt:
Vielfalt an Philosphie.

Auch die Zeitungen berichten
nicht nur Unsinn und Geschichten.
Zwar richtet sich die “Freie Presse”
oft nach des Lesers Interesse
und redet ihm nach seinem Mund,

doch das breite Angebot
unsrer Presse - schwarz, grün, rot -
gibt dir einen Überblick
auf die Wahrheit, Stück für Stück,
und selber denken ist gesund!

Gar mancher Autor hat in Jahren
manch Wissenwertes schon erfahren
und sein Häufchen Weisheit dann
in ein kleines Buch getan…

Was Andre sich in Ruh’ erdacht
und darauf in ein Buch geschrieben,
hat viele Feuer mir entfacht;
ohne wär ich dumm geblieben.

Es ist kein Fehler, sich sein Wissen
zum Teil zumindest anzulesen.
Unwissen ist ein Ruhekissen,
doch hilft es nicht dem Seelenwesen.


Ich schreibe für euch

Ich schreibe für die, die nach Zeichen fragen
und Antworten suchen, wo Andre nur klagen.
Ich schriebe für die, die noch schimpfen wollen,
die ärgerlich sind, aber nicht grollen.

Ich schreibe für die, die noch Wahrheit suchen,
es aber nicht belassen beim Fluchen.
Ich schreibe für die, die die Zukunft erschaffen
und nicht nur am Zaune stehen und gaffen.

Ich schreibe für die, die an Liebe glauben
ohne Abhängigkeit oder Daumenschrauben,
an eine Welt abseits aller Normen,
an neues Leben in andren Formen.

Ich schreibe für jene mit einem Ziel,
einem Sinn für Menschlichkeit und Gefühl,
mit einem gewissen Verhältnis zum Ich.
Ich schreibe für euch, für dich und für mich.


Alles geschrieben?

Wurde nicht schon alles geschrieben
über Liebe, Wahrheit and Lebenslügen?
Hat meine Story denn euch was zu bieten?
Ist sie von andern denn so sehr verschieden?

Macht es noch Sinn, neue Worte zu finden,
tiefschürfend in unsrer Seele zu gründen?
Klingt das nicht alles schon abgedroschen
wie Schundromane für ein paar Groschen?

Sind wir denn nicht schon längst überfrachtet,
sodaß das Gesagte keiner beachtet?
Hat das Gesagte denn noch einen Sinn?
Hört denn irgendjemand noch hin?

Haben wir uns denn noch was zu sagen?
Sind wir nicht längst zu müde zum Fragen?
Sind wir nicht süchtig nach Gleichklang und Trott,
nach Alltag und einem himmlischen Gott?

Schaffen wir es noch, selber zu steuern,
hier zu bremsen, da anzufeuern,
unseren Karren noch selber zu lenken,
kühn zu leben, zu handeln, zu denken?

Oder lassen wir alles so schleifen,
weil wir zu müde sind zum Begreifen,
gemütlich, behaglich, etabliert und banal,
farblos und flach wie ein Fernsehkanal?

Sind wir voll angepaßt und bestechlich?
Sind inn’re Werte nebensächlich?
Sind wir selbstzufrieden und stumm,
ein spießbürgerliches Panoptikum?


Jugendtraum

Ich habe einen Jugendtraum
von einer sorgenlosen Welt,
vom Liegen untern Apfelbaum,
von einem Leben ohne Geld.

So singen alte Kinderreime:
daß alle sich zusammenfinden,
vom Schließen aller Kinderheime,
das  Lied vom ungebundnen Binden.

Von Menschen, die die Angst verlieren,
damit sie ganz sie selber sind,
damit sie niemehr seelisch frieren.
Das wünscht ich mir als kleines Kind.


Alle Leute wollen lügen

Alle Leute wollen lügen
- hier ein bißchen, da ein bißchen -
doch keiner will belogen sein.
Alle Leute woll'n betrügen
- hier ein bißchen, da ein bißchen -
doch keiner will betrogen sein.

Mancher meint, er wäre klüger
als der ganze Rest der Welt
und ist doch nur ein Selbstbetrüger,
der sich für Jesus Christus hält.

Mancher möcht, wenn er denn könnte,
einmal selbst Diktator sein,
doch in der Bar "Zur lahmen Ente"
hört man ihn für Freiheit schrein.

Mancher fährt 'nen großen Wagen,
weil er es sich leisten kann
und hat ein Geschwür im Magen,
das ihn tötet irgendwann.

Mancher hat als Lebens-Ethik
"Hauptsache, die Kasse stimmt!"
Welch eine stinkende Ästhetik,
die da im Reichtums-Gully schwimmt!

Mancher hat dem Teufel schon
früh sein Seelenheil verpachtet.
Von jenen ernte ich nur Hohn,
ich wäre geistig ja umnachtet.

Das ist der Ausverkauf der Seelen,
der Hungertod der Phantasie.
Hunderttausend Brände schwelen.
Ich möchte löschen - aber wie?


Feine Fäden

Wir waren blind für das Unheil der Andern.
Wir sahen die Juden nicht wandern.
Wir sahen die Scheiben zerbrechen
und wollten darüber nicht sprechen.

Wir wollten den Frieden nicht stören.
Wir wollten vom Unheil nichts hören.
Daß Nachbar für Nachbar verschwand
klammheimlich und unter der Hand,

das war doch leicht zu verstehn:
Die Schwachen, die mußten halt gehn.
Das ist die natürliche Selektion;
das wußte der alte Darwin schon.

Das liegt jetzt so weit schon zurück
und ist doch ein Gegenwartsstück.

Wir sind blind für das Unheil der Andern.
Wir sehen die Armen nicht wandern.
Wir sehen die Menschen zerbrechen
und wollen darüber nicht sprechen.

Es schuftet die fleißige Masse,
bis ihre Kräfte erschlaffen.
Die Andern sind auf der Straße
und würden gerne was schaffen.

Die Einen schlucken Tabletten
und saufen gegen den Streß,
den die Andern gerne mal hätten,
und im Geiste lebt Rudolf Heß.

Der Staat liebt die Schwachen und Feigen.
Er fördert Mißgunst und Neid.
So bringt man die Massen zum schweigen
und ertränkt sie im eigenen Leid.

"Ich habe zwar Angst vor Entlassung
(das bringt mich ganz aus der Fassung),
ich schufte zwar Wasser und Blut,
doch geht es mir relativ gut.

Ich kann oft nachts nicht schlafen
und habe Hautallergie,
doch bin ich nicht eins von den Schafen,
nein, so eines werde ich nie!

Ich kann mich doch nicht beklagen,
solang ich noch Arbeit hab!
Die Faulen, die sollte man schlagen;
die brächte ich schon auf Trab!

Für die mach ich Überstunden.
Für die fahr ich doppelte Schicht.
Ich sag es hier unumwunden:
Ich mag meinen Nachbarn nicht!"

Da oben spinnen sie Fäden,
die kann von uns keiner sehn,
die kleben sie an einen jeden,
damit wir im Gleichschritt gehn.

Die Fäden sind feiner gesponnen
in einer "Demokratie",
doch die Freiheit ist noch nicht gewonnen
und mancher gewinnt sie nie.


Drachenschmaus

Mit Kaffee muß ich wach mich halten;
mit Bier mach ich mich müd.
Mit fernsehn such ich abzuschalten;
die Glotze läuft bis spät.

Refrain:
Ich führ ein ganz normales Leben;
ich kann mich nicht beklagen,
nur bin ich augenblicklich eben
gestreßt seit ein paar Tagen.

Die Überstunden werden mehr,
die Schicht, die ist chaotisch,
doch alle Leute schaffen schwer.
Beschweren wär' idiotisch. (Refrain)

Ich atme gift'ge Stoffe ein,
das sind so Lösungsdämpfe.
Da muß ein Abzug dringend rein,
wofür ich lang schon kämpfe. (Refrain)

Ach, umsonst wehr' ich mich gegen
die Machenschaften der Kollegen.
Fast jeder hier Intrigen spinnt
und denkt, daß er dabei gewinnt,

daß er der letzte ist, der geht
und jeden Kleinkrieg übersteht.
So höhlen wir uns selber aus,
sind ein wohlfeiler Drachenschmaus.

Ich führ ein ganz normales Leben;
ich kann mich nicht beklagen,
nur bin ich augenblicklich eben
gestreßt seit ein paar Tagen.


Deutsche Freiheit

Für den Bürger ist's ein Berg,
der unüberwindlich ist:
der Obrigkeit Gesetzespflicht
ist ein Monster, das uns frißt.

Dieser Sumpf von Paragraphen,
die kein Mensch nicht mehr versteht,
macht es leicht, den zu bestrafen,
welcher eigne Wege geht.

Eingepfercht in tausend Regeln
macht die Freiheit keinen Sinn.
Wohin kann die Seele segeln,
wenn am Gängelband ich bin?

Krumme Häuser, runde Wände,
satte Farben sind verboten.
Der Freiheit Geist ist dort zu Ende,
wo reguliert wird von Despoten.

Alles dient uns nur zum Besten,
reden uns die Herren ein.
Die im Osten, die im Westen
woll'n doch nur die Herren sein.

Um den Mensch zu drangsalieren,
dazu braucht's kein Polizist.
Ein Regelwerk zum Schikanieren
macht dich kleiner als du bist.

Durch Verordnung und Gesetze,
wird du kräftig festgezurrt,
daß ja in der Alltagshetze
keiner von euch Bürgern murrt!

Gesetze würgen mir die Kehle,
die manchmal gar gerecht erscheinen.
Hunderte TV-Kanäle,
das ist die Freiheit, die die meinen!

Gleiche Farben, gleicher Schritt,
gleiche Formen, gleicher Tritt,
Einheitsvolk im Einheitsbrei,
ach wir sind so herrlich frei!


Gegenwartskritik
Ein Zyklus von 6 Gedichten.


1. Teil : Arme gscheite Leut

Manch Gscheiter ist ein armes Schwein.
Als Gscheiter paßt du nirgends rein.
Als gscheiter Mensch, glaub mir, bist du
gelangweilt im Beruf im Nu.

Als gscheiter Mensch wirst du beneidet,
weshalb dich mancher gar nicht leidet.
Deshalb sind Gscheite oft allein.
Manch Gscheiter ist ein armes Schwein.

Manch Gscheiter wird vom Plebs verachtet
und als Unikum betrachtet.
Gezeichnet klar durch seine Gaben,
macht man ihn gern zum Prügelknaben.

Oft unbequem, weil er nicht paßt,
steht er für alles, was man haßt.
Auf seinem eignen Standpunkt steht er;
so kommt er zwischen alle Räder.

Die Kunst der Ausgewogenheit,
die er so oft besonnen pflegt,
man deutet als Verlogenheit,
und daß er finstre Ziele hegt.

Doch ist die ausgewogne Mitte
zumeist der schwierigere Weg,
auf schmalen Grat ein schmaler Steg,
von dem so mancher abwärts glitte.


2. Teil : Vom Nutzen gscheiter Leut

Doch wird - zumal in schweren Stunden -
der gscheite Mensch, den man verflucht,
als letzte Rettung oft empfunden
und widerwillig aufgesucht.

Das kann ein Arzt sein, den man meidet,
weil er Symbol für Schmerzen ist.
Man sucht ihn auf, nur wenn man leidet,
worauf man schleunigst ihn vergißt.

Man zweifelt superkritisch dran,
daß der auch wirklich etwas kann.
Man schluckt zwar brav, was er verschreibt,
doch letztlich: das Mißtrauen bleibt.

Der Intellekt schafft die Distanz,
die oft erscheint als Arroganz.
Auch wer den guten Willen hat
und dünkt sich einig in der Sache,

der spricht halt leider in der Tat
häufig nicht dieselbe Sprache.
So bleibt die Kommunikation
oft ohne warmen Unterton.


3. Teil : Herzensbildung

Was Mensch und Mensch hier schmerzlich trennt,
das überwindet nur ein Mann,
der viel Humor sein eigen nennt,
und selber sich belächeln kann.

Der ist ein wahrlich gscheiter Held,
der über allem nie vergißt,
wie äußerst wichtig für die Welt
die Bildung seines Herzens ist.

Doch welche Schule bringt's uns bei,
die menschlich-ethische Moral?
Wir lernen einen Datenbrei,
der leer und hohl ist, flach und schal.

Wir lernen, daß das Geld regiert,
daß Macht und Politik hier zählt
und daß das Menschliche verliert.
Der Lehrer lächelt nur gequält,

er selbst ein Rädchen im Getriebe,
voll angepaßt und integriert,
weil einen Philosoph der Liebe
die Lehrerlaufbahn nicht gebiert.

Der Lehrplan ist ein Datensack,
festgeschnürt und unbeweglich,
mit zuviel Leere unterm Lack;
die Qualität ist unerträglich.

Das Schulsystem ist so verkrustet,
daß es eines Knalls bedarf,
denn wenn ein Kritiker nur hustet,
schießen die Minister scharf.

Ist die Welt denn noch zu retten
vom Analphabetentum?
Wenn wir beßre Schulen hätten,
wär die Frage nicht so dumm.

Denn mit Logik nur alleine
macht man keine Münder satt.
Ich lobe mir den Mensch, der eine
wahre Herzensbildung hat.

Klar, das Lesen und das Schreiben
muß ein Teil der Schule bleiben,
aber Wissen ganz alleine
hilft der Welt nicht auf die Beine.


4. Teil : Neue Brücken

Laßt uns neue Brücken bauen,
die vom Mensch zum Menschen gehn!
Auf uns selber laßt uns schauen,
statt nur ins TV zu sehn!

Laßt uns voneinander lernen,
denn ein jeder ist ein Quell!.
Laßt uns greifen nach den Sternen,
nicht nur intellektuell!

Laßt uns wieder Freunde werden,
die von Herzen sich verstehn,
und uns nicht wie wild gebärden,
wenn wir auseinandergehn!

Laßt uns trinken voneinander
und uns unsre Weisheit teilen,
denn es gibt wohl keinen Mann, der
keine Gabe hat zu heilen!

Laßt uns die Gefühle tauschen,
die man füreinander spürt;
laß mich dir in Ruhe lauschen,
was im Innern dich berührt!

Individuum zu bleiben
und doch nahe sich zu sein,
dieses Ziel lad ich euch ein,
tief in euer Herz zu schreiben.


5. Teil : Individuum und Masse

Weder Einer noch die Masse
spiegelt unser ganzes Ich.
Keine Sippe, keine Rasse
ist das letzte Heil für dich.

Laßt uns unsre Welt verändern,
und sie offener gestalten,
statt zu flicken an den Rändern,
wo nur rost'ge Nägel halten.

Statt das Lernen zu erschweren,
macht es doch zu einem Spiel!
Mehr das Miteinander lehren
ist ein äußerst hohes Ziel.

Gebt dem harten Einzelkämpfer,
der nur an sich selber denkt
und sich und Andern nie was schenkt,
endlich einen großen Dämpfer!

Wenn Mensch des Menschen sich besinnt,
sich seines Potentials bewußt,
so fördert das die Lebenslust,
weil dabei jeder nur gewinnt.


6. Teil : Die (un)heimlichen Herren

Die Herrn jedoch, die uns regieren,
die Herren Firmenchefs zumal,
die werden dieses deklarieren
als sehr unsittliche Moral,

denn es macht aus Fachidioten
einen Mann, der vieles weiß,
der nicht spielt nach ihren Noten,
der verläßt den Kreidekreis,

der von immensem Reichtum weiß,
den man dem Volke vorenthält,
damit mit ungebremsten Fleiß
es täglich sich zur Arbeit quält

und keine Zeit hat, nachzudenken,
kein Hunger auf Gerechtigkeit.
Warum den Bürgern etwas schenken,
was aus dem Alltag sie befreit?.

Die Hüter unsres Status Quo
bedienen sich der breiten Masse
heut wie ehedem grad so,
als gäb es eine Herrenrasse,

doch weil sie keine Burgen baun,
ist dieses schwerer zu durchschaun.
Sie halten sich im Hintergrunde
und treffen sich in kleiner Runde.

Die Zügel sind nicht ganz so streng,
das Gängelband nicht ganz so eng,
denn gibt es etwas Freiheit mehr,
setzt sich kein einzger mehr zur Wehr.

Laßt unsre Grenzen weiter stecken,
(äußerlich wie innerlich),
in unsrer Welt weit mehr entdecken
(friedlich, aber kämpferisch) !

(P.S.: "Mann" steht hier immer auch für "Frau".)


Graue Schwadron

Sie lästern und stänkern, verleumden und flüstern,
verbreiten Gerüchte, mal boshaft, mal lüstern;
sie machen dem Nachbarn das Leben schwer
und glauben dabei, sie wären wer.

Sie sagen dir, wie du zu leben hast
und legen Probleme nur Andern zur Last.
Sie fühlen sich ständig ausgelacht
und pinkeln dir an die Haustür bei Nacht.

Sie halten jeden für einen Feind,
der ihnen etwas anders erscheint
und sich nicht in ihren Normen bewegt
oder sonstwie mal Ärger erregt.

Sie sind die eisigen Boten des Kalten,
Soldaten, die die Fahne hochhalten
für eine Welt, die es nicht gibt,
wo jeder nur sich selber liebt.

Sie spionieren die Nachbarn aus.
Sie schicken dir böse Briefe ins Haus.
Sie ersetzen Liebe durch Haß und Hohn.
Sie sind des Teufels graue Schwadron.


Die Kleinen

Die Kleinen, sie halten sich selber klein;
sie stellen sich gegenseitig ein Bein.
Sie neiden sich gegenseitig das Futter,
drum ist für die Großen noch alles in Butter.

Die Kleinen - das ist die breite Mitte -
die trimmt man auf Ordnung, Anstand und Sitte.
Es gibt sich der Bürger rechtschaffen und brav;
so folgsam wird er zum willigen Schaf.

Bei diesen vielen Fernsehkanälen
da hat man doch Auswahl, da kann man wählen!
Da fühlt man sich gar nicht gleichgeschaltet
und wird doch wirklich nur verwaltet.

Ein Loblied auf den, der's schließlich kapiert:
es lebt nur der, der sich engagiert,
sich seiner Vermarktung wehrt und sich rührt
und nicht jeden Abend ins Fernsehen stiert.

Es gilt, eine neue Welt zu entfalten,
wo wir uns nicht gegenseitig verwalten,
wo Junge zusammenleben mit Alten.
Wenn du aufwachst, ist es nicht aufzuhalten!

Wach auf aus deinem Alltags-Schlummer!
Bis jetzt warst du nur eine Nummer,
ein fleißiges Rädchen im Getriebe
mit einer heimlichen Sehnsucht nach Liebe.

Die Verwirklichung deiner heimlichen Träume
erschließt dir neue Freiheitsräume,
eine Welt weit jenseits deiner vier Wände,
wo du kreativ bist und lebst ohne Ende.


Hand in der Tasche

Wieder mal wächst heran eine Jugend,
die erklärt den Wohlstand zur Tugend
und macht zum höchsten Gotte das Geld.
He, sag mir, was ist los mit der Welt?

Ist die Umwelt kein Thema mehr?
Fällt den Menschen das Denken schwer?
Oder sind die Glieder gelähmt,
weil man sich des Handelns schämt?

Hat der Altag uns übermannt?
Ist das Feuer schon ausgebrannt?
Hat die Jugend mit einem Mal
keinen Sinn mehr für ein Ideal?

Die Härte wächst in allen Bereichen.
Von jungen Mädchen, da findet man Leichen.
Die Täter, die sperrt man für Jahre ein;
das kann keine Lösung auf Dauer sein.

Seht mal der Brutalität ins Gesicht
und scheut die bittere Wahrheit nicht!
Wer nicht für das Gute kämpft im Leben,
der fördert das Schlechte. So ist das eben.

Hast du deine Hände brav in den Taschen,
dann bist du auch eine von den Flaschen,
die immer drauf warten, daß was geschieht,
bis der Feuersturm über sie zieht.

Die Welt, und ist sie noch so ein Graus,
die Welt beginnt bei dir zu Haus.


Ausländerhaß

Komm, wir hol'n uns einen Türken
zum Schlagen, Treten und Erwürgen!
Die nehmen uns die Arbeit weg
und leben nur in Dreck und Speck!

Was wollen die in unserm Lande?
Jeder Türk ist eine Schande!
Was bilden sich die Leute ein?
Die werden nie wie Deutsche sein!

Denen tret ist auf den Schwanz,
da kenn ich keine Toleranz!
Wir werden siegen, voll und ganz!
Es spielt die Band zum Totentanz.


Es geht die Angst hier um

Es geht die Angst hier um im Land
und sie hat tausend Gründe.
Sie kostet manchem den Verstand,
was ich erschreckend finde.

Fast dünkt's den Leuten schon normal,
sich allem nur zu fügen;
als ganz normale Seelenqual
trägt man die Alltagslügen.

Wir sind so reich und doch so arm.
Es nagt die Unzufriedenheit
den Bürger arg in seinem Darm.
Das Glück ist nah und doch so weit.

Man kann das Glück ja billig kaufen.
Man schert sich nicht ums Seelenheil.
Man läßt den Karren einfach laufen
und konsumiert sich tot derweil.

Für jedes Weh gibt's eine Pille.
Hilft die nicht, kommst du in die Truhe.
Dort findest endlich du die Stille
und fortgesetzte Alltagsruhe.


Altes Roß

Satt, das hatte ich schon lange
das Gequietsche und Geschepper
von Kette, Schutzblech, Lenkerstange
an meinem alten Fahrradklepper.

Doch es war ein Stück Geschichte
meiner Kind- und Jugendzeit,
und die macht in blassem Lichte
sich in meinem Kopfe breit.

Schon zur Schule trug es mich,
dieses treue Drahtgestell,
und nach Haus zum Mittagstisch
raste ich dann blitzeschnell.

Manchmal wählte ich den langen
Weg nach Haus, wo wir in Banden
den wilden Mühlbach übersprangen
und die erste Liebe fanden.

Einmal trugst du einen Ranzen
von einer, die mein Herz gewann.
Ich träumte, mal mit ihr zu tanzen,
sie zu küssen, aber dann...

Die Pedale sind verbogen,
und der Rahmen jetzt zu klein.
Dein Silberglanz ist ganz verflogen;
der Rost fraß sich ins Blech hinein.

Ausgedientes, altes Roß,
bist ein kleines Stück von mir.
Herrje, warum wein ich bloß?
Ausgedientes, altes Roß,
der Eisenhändler ruft nach dir.


Das Neue

Scharf gezackte Fußpedale
greifen grad wie festgeklebt
in die Sohle der Sandale.
Ein Gefühl, als ob man schwebt,

so leicht tritt der neue Esel
sich aus Aluminium,
und Cochem oder Oberwesel
sind grad um die Ecke rum.

Silbergrau der edle Rahmen,
alle Nähte handgeschweißt.
Ein Magnet für alle Damen,
wenn es auch nicht "Porsche" heißt.

Der Lenker schick in Hörnerform,
in zwei Etagen anzufassen,
steigert den Komfort enorm.
Da können Andre nur noch passen.

Auch der Felgen Hohlprofil
aus dem leichten Mat'rial
verraten mich als technophil,
doch das ist mir piepegal.

Warum sollte ich denn nicht
mir ein tolles Fahrrad leisten?
Unbequemen Lustverzicht
fordern Neider doch am meisten.

Ach, das neue schlägt um Längen
an Komfort mein altes Rad,
und mit einundzwanzig Gängen
lädt es täglich ein zur Fahrt.

Stoßgefedert vorn und hinten
kann man selbst die tiefsten Löcher
noch als einen Spaß empfinden -
ein Vergnügen noch und nöcher.

Da spürst du noch die Lust der Straße,
da fühlst du dich als freier Held.
Da weht der Wind mir um die Nase,
der Duft der großen weiten Welt.

Und außerdem, ganz nebenbei
schafft man runter ein paar Pfund,
strampelt sich die Lunge frei
und bleibt somit kerngesund.



Krieg im Kosovo

Wieder ziehn wir in den Krieg
und kennen nur noch die Gewalt.
Alle reden von dem Sieg
und das Herz wird wieder kalt.

Wir bomben für die gute Sache
mit dem Recht an unsrer Seite.
Wir töten friedlich, ohne Rache.
Wir töten nur die bösen Leute.

Wir haben unsre guten Gründe.
Wir sind die Polizei der Welt.
Was wir tun, ist keine Sünde,
weil nur das Ergebnis zählt.

Der Zweck, der heiligt uns die Mittel
in diesem Krieg, den wir hier führen.
Die Andern sind des Teufels Büttel,
die darf man ruhig dezimieren.

Man hat mal wieder keine Wahl,
da gibt es keine Frage?
Wer unter Zwang nur handeln kann,
der ist nicht Herr der Lage,

der weiß meist gar nicht, was er tut,
denn er fühlt sich getrieben,
will seine Schuld auf Andre schieben.
Mit jedem "muß" wächst mir die Wut.

Man sollt' vor seiner Türe kehren,
wenn man den echten Frieden will,
statt Andre ständig zu belehren,
und dann zu droh'n mit Overkill.

Was letztlich ausweglos erscheint
und scheinbar zwingend logisch,
war oft von keinem so gemeint,
und endet dann chaotisch.

Der "Sachzwang" ist 'ne Mißgeburt
von häßlicher Gestalt,
mißbraucht, damit ein jeder spurt,
macht er vor keinem halt.

Der "Sachzwang" wird als Urgewalt
den Bürgern vorgeführt.
Die Logik macht die Herzen kalt
bis sich kein Mensch mehr rührt.


Friedensbomben
(zum Natokrieg im Kosovo)

Wir wollen nur den einen Krieg,
den sauberen, den reinen Krieg.
Wir wollen nur den einen Sieg,
den sauberen, den reinen Sieg.

Fortschrittlich haben wir entschieden:
wir werfen Bomben nur noch für den Frieden.
Nur die Bösen, nicht die Guten
töten wir und lassen wir verbluten.

Ach, was sind wir so gerecht!
Der Mensch ist gut, die Welt ist schlecht.
Krieg ist Krieg und Tod ist Tod.
Da hilft kein Grün, da hilft kein Rot.

Zu leicht wird der Verstand umnachtet.
Kein Mensch verdient, daß man ihn schlachtet.
Denk nur, DU lägst im blut'gen Bade!
Um jeden Menschen ist es schade.

Die Menschheit hat genug gelitten.
Soldaten, stellt das Morden ein!
Soldat, laß dich nicht zweimal bitten!
Das weiche Wasser bricht den Stein.


Laßt mich

Laßt mich meine Wege gehen
in dem Dschungel dieser Welt.
Ich muß mit meinen Augen sehen,
kann nicht tun, was euch gefällt,

muß selbst stehen auf zwei Beinen,
meine eignen Fehler machen,
mal singen, wenn die Andern weinen,
mal trauern, wenn die Andern lachen,

mal ein Guru, mal ein Clown,
mal ein armer Bettelmann.
Der Wirklichkeit ist nicht zu traun,
sieht man sie nur von vorne an.

Ihr aber seht nur den Verrückten,
der in keine Ecke paßt,
den Mißrat'nen und Mißglückten,
den ihr nicht ins Leben laßt.

Ihr versteht nicht, was geschieht,
denn ihr wollt den Kern nicht sehn.
Wenn ihr schon nicht mit mir zieht,
so laßt mich denn in Frieden gehn.

Laßt mich meine Späße machen
für die, die's gerne hören würden.
Ein tiefes, herzensreines Lachen
befreit von tausend schweren Bürden.

Ein guter Fluch zur rechten Zeit
ist wie ein Furz nach schwerem Mahl:
Er erleichtert und befreit
von unverdauter Seelenqual.

Laßt mich alle Gaukler preisen,
alle Sucher dieser Welt,
wenn sie uns neue Wege weisen,
wo sonst kein Medicum mehr zählt.


Passiv

Ich wart' und wart'  in meiner Ecke,
das etwas passiert.
Ich starre an die Zimmerdecke,
die ist dunkelgrau lackiert,
und weil ich nichts entdecke,
bin ich ganz frustriert.  

Ich achte die Gesetze,
ich gehe nie zu weit.
Was ich an mir so schätze,
ist die Bescheidenheit.
Ich meide jede Hetze,
mag die Behaglichkeit.

Das Leben zieht vorüber
an meiner Wohnungstür
Ich habe hohes Fieber,
kann doch nichts dafür,
und manchmal wär' mir lieber,
ich wäre nicht mehr hier.


Auf hoher See

Stürmisch tosend braust die See.
Wellenberge, nirgends Land.
Ich weiß, du bist in meiner Näh',
doch ich trau nicht deiner Hand.

Bohrend stör'n mich tausend Fragen,
bringen mich um den Verstand.
Tausendmal mußt du's mir sagen,
alles ist mir zu riskant.

Gib mir zwei dutzend Rettungsringe
und einen Schutzhelm noch dazu!
Ich brauch halt eine Menge Dinge,
bevor ich dir vertrauen tu.

Da ich mich niemals sicher weiß,
reicht keine Garantie.
Ich war zu lang das Abstellgleis.
Die Lok, das war ich nie.

"Laß los!" sagst du. Wie kann ich denn?
Ich würde ewig fallen!
Ich stehe still, obwohl ich renn!
Geht das denn so nicht Allen?

Verstand, das ist die Ankerkette,
die mein kleines Boot noch hat.
Die hängt an mir wie eine Klette,
doch davon wird der Mensch nicht satt.

Den Anker gilt es einzuholen,
um so den Rest der Welt zu sehn,
doch hab ich Angst, er würd gestohlen!
Kannst du vielleicht nicht nach ihm sehn?

Herrje, versteh doch meine Furcht!
Ich bin ein armer Wurm!
Die Angst, die geht mir durch und durch
vor einem großen Sturm.


Frühling

Draußen ist Frühling,
der Himmel ist blau.
Drinnen im Stall
besteigt der Eber die Sau.

"Franz," schreit die Bäurin,
"He, Franz, wo bist du?"
Der Franz ist im Stall,
denn der Franz, der guckt zu.

Draußen ist Frühling,
der Himmel ist blau.
Und abends spürt's auch
dem Franz seine Frau.

Schon wieder ein Jahrtausend rum!

Schon wieder ein Jahrtausend rum!
Kinder, wie die Zeit vergeht!
Es schwingt das Weltenpendulum;
die Saat für Sturm ist schon gesät.

Der weht die Fratze vom Gesicht
und zeigt dich unverbrämt.
Die Wahrheit, nein, die liebt man nicht,
denn die ist unverschämt.

Wir fühlen uns als arme Opfer
im ew'gen Rausch der Emotionen
und werden so zum Sprücheklopfer
mit den falschen Intentionen.

Wenn jeder Mensch als Mensch uns zählt,
wenn wir lernen zu verstehen
und fühlen, was den Andern quält,
statt über ihn hinwegzusehen,

dann hat die Menschheit eine Chance,
ihr Seelenfeuer zu entfachen
und aus allertiefster Trance
endlich einmal aufzuwachen.


Sackgasse

Ach, wie schön, daß du mich brauchst,
daß du gern einen trinkst und gern eine rauchst.
So ein Freund ganz ohne Laster
ist wie ein Geldschrank ohne Zaster!

Dein Anblick freut mich jedesmal,
denn es sind wir beiden
in dem selben Jammertal.
Zusammen läßt's sich leichter leiden.

Wir lieben Grobheit und Geschrei,
wir sehn mit einem Wort
täglichen Zank und Streiterei
als ein Familiensport.

Wir schlagen uns und sind danach
doch inniglichst versöhnt.
Früher lag ich öfter wach,
jetzt bin ich es gewöhnt.

Gemeinsam waten wir im Sumpf
und quälen uns voran.
Der Schlamm reicht uns bis rauf zum Rumpf.
Ich gehe mit, solang ich kann.

Die Freiheit ist ein wildes Tier

Die Freiheit ist ein wildes Tier,
das uns Angst und Schrecken macht,
denn den Käfig kennen wir,
da fühlen wir uns gut bewacht.

Ein jeder sperrt die Andern ein,
so gut es geht, mit seiner Kraft,
will selber nicht gefangen sein
in seelischer Gefangenschaft.

Ihr denkt, ihr seid so frei und reich,
könnt konsumieren,was ihr wollt,
und doch seit ihr den Küken gleich,
die jederzeit der Habicht holt,
 
weil euch in eurer Körnerwelt
- vom Körnerpicken früh ermüdet -
der freie Blick zum Himmel fehlt,
der euch den Seelenfrieden bietet.

Freiheit heißt, sich selbst zu sehn,
grad so, wir wir eben sind,
und auch mal andre Wege gehn
(höre auf dein innres Kind).

Freiheit heißt, mal laut zu träumen,
und auch Antwort zu verweigern,
einmal gar nichts zu versäumen,
und Gesteigertes zu steigern,

die eignen Fesseln zu beschreiben,
die man zu einem Gott erhebt,
um mal trieblos wegzutreiben
von allem, was uns widerstrebt,

in fernes, unbekanntes Land,
das Frieden, Glück und Freude heißt.
Nimmt man sein Leben in die Hand,
dann ist das Ego schnell verwaist.

Die Fahrt ist reines Abenteuer,
gespickt mit Strudeln und mit Schnellen.
Es hält dich nur das eigne Feuer
und ein paar Freunde und Gesellen.

Wo Regeln und Gesetze fehlen,
da erst trägst du dein wahres Kleid,
kannst deine Seele nicht verhehlen,
die nach höh'ren Werten schreit..

Die Freiheit ist ein wildes Tier,
das uns Angst und Schrecken macht,
denn den Käfig kennen wir,
da fühlen wir uns gut bewacht.
Klopapier

Was man macht mit 'nem Gedicht,
das juckt und kratzt und stört mich nicht!

Und steht es mal auf Klopapier,
mein lieber Freund, so glaube mir,

dann ist mir das genauso recht,
denn das macht mein Gedicht nicht schlecht!

Wenn du dann auf dem Örtchen sitzt,
und dein Gesicht vor Drücken schwitzt,

dann ruh' dich aus und laß dir Zeit,
leg dir so ein Blatt bereit,

und lese es mit offnem Herz;
das entspannt dir Darm und Sterz!


Das geht nicht gut!

Die Arbeitswut,
die Bilderflut,
die Angst im Blut:
das geht nicht gut!

Der Alltagswahn,
die Autobahn,
hab' nix getan,
laß mich dich fahr'n!

Zu groß und fett
das Kottelett;
das warme Bett
macht alles wett.

Was will ich hier
zwischen Wein und Bier
noch bis halb vier?
Wann reicht es mir?.

Zur Eile gebor'n,
die Hoffnuing verlor'n.
Der Winter kommt;
mein Herz ist erfror'n.

Die kleine Flucht
hab' ich gesucht,
doch war mein Platz
schon ausgebucht.


Fernsehen

Ich träum' und seh'
wie ich dreh' und geh'
durch die Kanäle
wie Seelen-Säle.

Sie laden zum Baden,
die endlosen Daten,
die flackernden Bilder
ohne warnende Schilder,

auf daß wir ersaufen,
besinnungslos kaufen
und für Autos, die duften
bis zum Umfallen schuften.

Voyeuristisch betrunken,
im Bildrausch versunken
müllt man uns zu
bis zur ewigen Ruh.

Sport wird geglotzt
und Olympische Spiele.
Wer wandert denn heut' noch?
Das sind nicht mehr viele.

Müde, erschöpft, vom Alltag gequält.
Füße hoch! Das ist alles, was zählt.
Der Mensch wird berieselt, berauscht und entseelt.
Das freut die Bonzen der Medienwelt.

Ich träum' und seh'
wie ich dreh' und geh'
durch die Kanäle
wie Seelen-Säle....


Gletschereis

Die Illusionen sind vergangen,
mein Herz im Gletschereis gefangen.
Wenn die Nacht mein Leid verhüllt,
hat sich mein Tagewerk erfüllt.

Der kalte Rauch von Zigaretten
riecht nach verschlissnen Ehebetten.
Es schmeckt das abgestandne Bier
nach Kinderpisse um halb vier.

Die Kinder spielten gern im Walde
und hielten sich in Wiesen auf,
doch haben sie nur eine Halde
und da wächst kein Halm darauf.

Noch raucht  der Schlot,
noch stimmt die Kohle
doch steht der Tod
schon auf der Sohle,

und der fährt mit in jeder Schicht,
bis daß die letzte Achse bricht.
Der Kampf um meine Existenz,
der dauert nicht zum nächsten Lenz.

Die Illusionen sind vergangen,
mein Herz im Gletschereis gefangen.
Wenn die Nacht mein Leid verhüllt,
hat sich mein Tagewerk erfüllt.
Falterrettung
(nach einer wahren Begebenheit)

Im Pool, da schwamm ein Schmetterling,
der davon fast unterging.
Er war zum Schwimmen nicht geboren,
und gab sich selber schon verloren.

Da kam ein Retter noch beizeiten
und sah den zarten Falter leiden.
Er hebt ihn aus dem nassen Grab,
trocknet ihm die Flügel ab,

und setzt dann den armen Wicht
vor ein warmes Neonlicht,
wo der schöne Flattermann,
der beinahe schon ersoffen,
wieder zu den Kräften kam.

Man sieht: es lohnt sich, stets zu hoffen.


Preis sei dem Wein

(Refrain:)
Heute drink ich auf den Riesling,
der das Leben mir versüßt!
Trink mit mir und sei kein Fiesling!
Prost, mein Bruder, sei gegrüßt!

Stehen laß ich jeden Hopfen.
Welch Vollendung der Geschmäcker!
So ein guter alter Tropfen
schmeckt doch immer wieder lecker.
(Refrain: Darum drink ich..)

So ein Jahrgang von Vollendung
will mit Genuß getrunken sein;
alles Andre wär' Verschwendung.
Deshalb schenk mir noch mal ein!
(Refrain: Heute drink ich..)

Wer jemals so ein Tröpfchen trank
und genoß die Gaumenfreude,
schickt den Göttern seinen Dank
und genießt den Wein noch heute!
(Refrain: Darum drink ich..)
Die Krähen ziehen übers Land

Die Krähen ziehen übers Land
und schieben die Wolken vor sich her.
Der Sommer hat sich ausgebrannt
und die Gefühle werden schwer.

Ein Sturmtief, das für lange Zeit
hinter allen Bergen hing,
macht sich heimlich um uns breit
und scheucht den letzten Schmetterling.

Die Möwen ziehen über´s Land
und suchen Heimat fern vom Meer.
Der Sommer hat sich ausgebrannt
und die Gefühle werden schwer.

In den großen Zwischenräumen
ihrer kahlen Äste tragen
ungewollte Eichenbäume
tausend Jahre alte Fragen.

Die Gänse ziehen über´s Land
ein letztes Mal für lange Zeiten.
Der Sommer gab sein letztes Pfand;
der Herbst ist nicht mehr zu vermeiden.

Die Welt wird nicht dieselbe sein,
die wir den Kindern geben.
Es weicht dem Licht der fahle Schein.
Ihr werdet es erleben.

Die Falken ziehen über´s Land
wie Schatten von Visionen,
die heimlich meinen Unverstand
und meinen Bauch bewohnen.


Die Zügel der Lust

Wenn du mit geballter Kraft
das Zügeln deiner Lust
durchaus willst und doch nicht schaffst,
dann wird dir schnell bewußt,

daß du doch bei weitem nicht
so reif bist, wie du denkst,
daß du viel mehr dein Gesicht
als deine Taten lenkst.

Was ist die Macht, die dich ergreift
bei den Gelegenheiten?
Was ist die Kraft, die heimlich reift
in deinen Schattenseiten?

Wo bleibt das ethische Idol,
das du doch so verehrst?
Jetzt klingen deine Worte hohl,
wenn Andre du belehrst.

Wo ist der Gott, dem du vertraust,
wo ist dein Rückgrat denn geblieben?
Wenn du in deinen Spiegel schaust,
bleibt nichts als Reue üben.
Mama, schau!

Mama, schau, mein Pimmel wächst;
meine Hose ist verhext!
Bis gestern war er schlappp und klein,
heute paßt er nicht mehr rein!

Er will sich nicht mehr recht verbiegen
und in meiner Hose liegen.
Ständig juckt´s, ihn anzufassen
und dann nicht mehr loszulassen.

Und reib' ich ihn mit meiner Hand,
wird er noch mehr angespannt.
Mama, ach, was mach ich bloß
mit so einem Stock im Schoß?
In diesem Land der Denker

In diesem Land der Denker, Dichter,
Philosophen, Geisteslichter,
von Schiller über Habermas
bis Mitscherlich und Günther Crass,

von Raabe, Morgenstern bis Kleist,
und wie manch Andrer sonst noch heißt,
in diesem hehren Denkerreigen -
von Goethe einmal ganz zu schweigen -

verkümmert heut die Kraft des Wortes,
des Druck gewordnen Geistessportes.

Wer ist´s, der uns die Wege zeigt,
auf denen man den Berg besteigt?
Ein jeder scheint auf sich gestellt
in dieser führerlosen Welt.

Die wird grauer wie auch bunter,
und mancher geht im Trubel unter.
Gewalt - die läßt den einen kalt,
der andere macht nicht vor ihr halt.

So schafft man keinen Erdenfrieden.
Der Frust, der staut sich innerlich
und äußert sich verschieden.
Der Eine wendet´s gegen sich,

der Andre, der da schlägt und schändet
aus ungebremsten innren Groll,
sich oft in Ghetto wiederfindet,
das Heimat ihm ersetzen soll.

Der Mensch ist halt- und heimatlos
in dieser unsrer Zeit,
wie ein Baby nackt und bloß,
und tut sich selber leid.


Der Tanzbär

Der Tanzbär ist im großen Ganzen
nicht geboren für das Tanzen.

Durch seine Nase geht ein Ring,
und ein Stück Seil hängt an dem Ding.

Dran ziehen schmerzt den Bären sehr,
darum wehrt er sich nicht mehr,

sondern tanzt wie blöd und dumm
immer nur im Kreis herum.

Der brave Leser fragt sich nun:
"Was hat das mit mir zu tun?"

Jeder, der nach etwas süchtig,
tanzt nach fremder Pfeife tüchtig,

fürchtet schrecklich den Entzug,
hat von der Droge nie genug.

In so 'nem Falle, sieh das ein,
wirst du selbst der Tanzbär sein!


Flinke Feder

Oh, wie hurtig mir die Zeilen
heute von der Feder eilen!
Kaum hab' ich einen Reim erdacht,
ist schon der Vers aufs Blatt gebracht.

Kunstvoll webt sich das Gedicht
als Spiel von Schatten und von Licht,
von Tiefsinn und von blankem Spaß,
denn es braucht von Allem was.

Strophen reihen sich an Strophen,
plätschern wie ein Bach dahin,
fügen sich zu einem Sinn,

doch erscheint mir das Ergebnis
manchmal fremd im Nachhinein.
Dichten, das ist ein Erlebnis,
doch kann es auch befremdlich sein.

Woher stammt der Strom der Worte,
die sich da zum Verse fügen?
Stammen sie aus dunklem Orte?
Sind es vielleicht lauter Lügen?

Schert euch fort, ihr Plagegeister,
laßt mich mein Gedicht erdenken!
Nur die allerbesten Meister
sollen meinen Feder lenken!

All ihr Engel und ihr Musen,
flüstert Weisheit mir ins Ohr!
mein Herz, das fliegt zu euch empor,
denn Sehnsucht brennt in meinem Busen!

Als fehlerloser Übersetzer,
nicht als selbstverliebter Schwätzer,
laßt mich euer Sprachrohr sein,
Stellt mich in eure Dienste ein!

Mit eurer Hilfe wird mir glücken,
der Wahrheit und dem Teufel
direkt ins Aug' zu blicken.


Was ihr wollt

Laßt mich euer Gaukler sein,
und euch zum Lachen bringen;
ich kann grunzen wie ein Schwein
und wie ein Vöglein singen.

Wollt ihr einen Taschendieb?
Ich stehle schlechte Launen!
Ich bin der Daniel Düsentrieb
und bringe euch zum Staunen.

Ich spiele euch den Hampelmann,
der wie 'ne Puppe strampeln kann.
Ich mache euch den Affen,
da könnt ihr mich begaffen.

Ich sing euch eine Moritat
voll Drama und Verbrechen;
ich mache Salto und Spagat,
bis mir die Knochen brechen.

Ich geb euch eine gute Schau
selbst wenn die Sonne brennt;
bunt bin ich wie das Rad vom Pfau,
damit ihr euch in mir erkennt.

Ich kann tanzen wie ein Bär
und auf den Händen laufen.
Ich schätze eure Taler sehr,
doch kann man mich nicht kaufen.


Irgendwann

Irgenwann kommt meist ein Alter,
da wünscht man sich den Stammeshalter.
Mann fühlt sich als Person verewigt,
quasi der Todesangst entledigt.

Es birgt in sich der eigne Sohn
des ew'gen Lebens Illusion.
Warum nur Männer sie befällt,
hat sich noch nicht herausgestellt.

Und später irgenedwann
kommt dann
der Kinderwagen.
Den gilt es, mit vereinten Kräften
zu schieben und mit Baby-Säften
den Schreihals täglich vollzustopfen,
darauf den Rücken leicht zu klopfen.
Auf daß die Rülpser sich entfalten.
Vorsicht! Immer richtig halten!

Und später irgendwann
kommt dann
der Krankenwagen,
weil die Organe nicht mehr wollen,
nicht so fit sind, wie sie sollen.
Leber streikt und Herz und Blase;
man spürt: das ist die letzte Phase.

Man fühlt sich alt und ausgelaugt,
weil man nicht zu viel Gutes taugt.
Die Schaffenskraft, die ist dahin,
dem Dasein mangelt es an Sinn.
Man fragt: was soll ich denn nich hier?
Und fade schmeckt selbst Wein und Bier.

Und später irgendwann
kommt dann
der Leichenwagen,
und die Leute, die da sagen,
„Jaja, den kannte ich, den Mann.

Man kann viel Gutes von ihm sagen,
und von dem Andern wolln wir schweigen.“
Und wenn den Sarg ins Grab sie tragen,
dann darf man Tränen zeigen.

Sie teilen sich den Leichenschmaus,
und gehn dann leicht beschwipst nach Haus.
Noch glimmt Erinn'rungs schwacher Schimmer,
doch bald vergißt man ihn für immer.

Irgendwann, ja, irgendwann,
kommen wir alle einmal dran.


The Dark Side of the Moon

“You’re a wanker, you’re a sucker,
you’re a hopeless motherfucker.

You have been useless since your birth;
you’re really not a penny’s worth!”

That’s what they told you all the way,
all these years and ev’ryday.

It’s no wonder that you think,
that you’re living on the brink,

that your life’s not worth a cent.
You’re earning less than what you spend,
 
you’re slowly going down the drain,
you sometimes almost feel insane.

You’d like to hit and don’t know whom.
That depressing sense of doom

holds you back and ties you down.
You cannot smile, but only frown.

Your heart’s been cold and without ember
for as long as you remember.

You see no future, have no aim;
you never talk about your shame.

You’re on the dark side of the moon.
You feel the end is coming soon.

You’re desparate in many ways.
You count the hours, not the days.


The Mousetrap
(A backpackers’ hostel in Paihia, New Zealand)

Normally it’s quite appalling,
if into a trap you’re falling,
but the Mousetrap is a place,
where you enjoy your nights and days.

Most, who come here, think they might
stay just for another night.
You feel at home and don’t know why;
you do not sense the days go by.

The atmosphere is quite sublime
and it creates a warp of time.
You love this place and you are rapt.
Before you know it, you are trapped.

Is this a spider’s clever trap,
a widow’s wisely woven web?
No, there’s an angel at this place
whose magic works in many ways.

When you feel outcast and alone,
the Mousetrap is a comfort zone,
a place for rest and relaxation,
for healing without medication,

for letting go of aches and pain,
not worrying ‘bout sun and rain.
So come in, make yourself at home
in Monique’s magic pleasuredome!


The UFO

(Refrain:)
You know what people talk,
you know what they say:
they say it never happens,
never happens that way.

Hi, my name is Nevil.
I’ll tell you of a night,
when on backcountry gravel
a light gave me a fright.

You know what people talk…

It was a UFO;
it landed not too far
when all the fuses blew
in my Japanese car.

You know what people talk…

Out came some alien creatures,
but they were very kind.
They had quite human features
and talked inside my mind.

You know what people talk…

They took me to their star,
a very boring place.
They’re governed by a Zsar.
They are a dieing race.

You know what people talk…

They lost their faith in life
in deadly battles once.
They say man can survive,
we stand a better chance.

You know what people talk…


Downunder

Auckland, you beauty,
you city of sails,
with tons of sun
and occasional gales!

An int'resting bunch
of people live here
who build their own baches
and brew their own beer.

They grow their own fruit
and love their own sheep.
Their jokes may be shallow,
but the ocean is deep.

They ride waves, they ride horses,
they ride sheilas and bikes;
they call themselves Kiwis
and heroes and dykes.

Some claim they are straight,
some claim they are queer.

An int'resting bunch
of people live here!

The farmers and growers,
the trees and the flowers,
the weirdos and wackos,
the alps and their echoes,

The bush and the birds,
the beaches, the sand,
I cannot describe
how I'm loving this land.


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