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Wecker im Kopf
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Kapitel 3

Menschen
die ich kenne und andere

Carla

Ach, das glaubst du nicht, mein Bester:
Ich fand im Urlaub meine Schwester
Carla, die ich lang vermißt´,
ein Mensch, den man nicht leicht vergißt,

eine wahrhaft tiefe Seele,
inniglich mit mir verwandt,
von dem Stamme Scherer-Jehle.
Als hätt´ ich lang sie schon gekannt

verstehn wir ohne viel Erklären,
ohne Ärger, Frust und Drama
uns, als wenn wir beide wären
Soulmates mit demselben Karma,

mit denselben hohen Zielen,
ähnlich voller Lebenslust,
ähnlich auch im Drang zum Spielen.
Ach, es ist mir so bewußt:

Wir sind von demselben Blute,
kommen von demselben Stern.
Liebste Schwester, meine Gute,
ach, ich hab dich ja so gern!


Emil

Emil ist ein Irmenacher,
weit und breit recht gut bekannt
als Gaukler und als Scherzemacher
in dem ganzen Moselland.

Wer sagt, daß so ein Hunsrückmann
nur seine Kühe melken kann?
Emil hat in Kopf und Arm
Kraft und Können und auch Charme.

Sportlich immer noch topfit
macht er jeden Blödsinn mit
und gewinnt mit seinen Scherzen
kinderleicht die Menschenherzen.

Wer wollt' da den Emil schelten?
So ein Typ ist heute selten.
Er hat als Till Eulenspiegel
verdient sich seine Engelsflügel!

Er turnt so manchem noch was vor
und macht den Kopfstand stundenlang.
Vor keinem Unsinn ist ihm bang;
er ist halt ein genialer Tor.

Ich schnitz ihm eine Denkmalsbüste!
Er ist ein Schalk der Spitzenklasse,
ein tapfrer Rufer in der Wüste
der grauen Bürgereinheitsmasse.

Laß die Leute ruhig schwätzen;
selig ist, wer Freude schenkt!
Ich will ihm ein Denkmal setzen,
auf daß man lang noch an ihn denkt!


Die Nachuntersuchung

Ein Mensch, nach langem Aufenthalt
in einem alten Hospital
kriegt daraufhin ein Briefchen bald:
“Zum Check-up kommen Sie noch mal!

Es geht um Ihren Knochenbruch.”
Der Mensch vor diesem Arztbesuch
hat Angst, daß er noch nicht geheilt;
ein Gefühl, das jeder teilt,

der je ein langes Leiden hatte.
Krank sein ist keine Zuckerwatte.
Um so schöner ist es dann,
wenn Mensch dem Arzt vertrauen kann.

Der Mensch nimmt schließlich sich den Mut
und denkt: es wird schon alles gut!
Was nützt es, alles schwarz zu malen,
den Arzt, das Haus, die Röntgenstrahlen.

Da kann ein starker Mensch hindurch
mit Gottvertrau´n und Gottesfurcht!

Er nimmt die Klinke in der Hand
und schaut auf´s Eingangstor gebannt.
Da steht bereits seit Dante´s Jahren:
“Ihr, die ihr eintretet,
lasset alle Hoffnung fahren!”

Zwei Stufen ´rauf zur Eingangshalle,
schon ist er in der Mausefalle,
die ihn so lang gefangen hatte…
Krank sein ist keine Zuckerwatte!

Schon bald erscheint die weiße Schwester
und zirpt: “Nun kommen Sie, mein Bester!”,
zerrt ihn ins kalte Röntgenzimmer.
Der Raum ist völlig weiß lackiert;
so fad ist selbst die Hölle nimmer.
Dort wird der Mensch ganz ungeniert

halb nackend auf den Tisch drapiert
und dann mit Strahlen bombardiert.
“Dann wieder anzieh´n, schnell, mein Sohn!
Andre Kranke warten schon!

Da, setzen Sie sich auf den Gang!
Es dauert sicher nicht mehr lang!”
Wie ein Häufchen Elend hockt er
da und wartet auf den Dockter.

Schon sind die Bilder aus der Kammer.
Des Menschen Herz wird klamm und klammer.
Jetzt kommt die Wahrheit bald ans Licht:
ist er gesund oder ist er’s nicht?

Der Dokter nimmt die Transparente
in seine starken Schlachterhände
und hält sie gegen´s Lampenlicht.
Dem Mensch steht Schweiß im Angesicht.

Der Dokter tut nichts übereilt.
Dann sagt er: “Ich bin ganz gewiß,
der Knochenbruch ist gut verheilt;
man sieht nur einen kleinen Riß.”

Dem Menschen fällt ein Stein vom Herzen,
dem Arzt jedoch ist nicht zum Scherzen.
“Zum letzten nun der Transparente,
das Oberschenkel zeigt und Lende.
An der Hüfte die Läsion
ist eine subkutane Infiltration!”

“Pardon,” entfährt´s dem Menschen da,
“subkutane Infiltra…?”
Der Arzt gibt andern gern die Schuld;
ihm reißt der Faden der Geduld.

“Mensch,” schnauzt er den Patienten an,
“Ich red´ doch deutsch, Sie dummer Mann!”
und schaut dabei ganz eiskalt drein.
Dem Menschen geht´s durch Mark und Bein.

Er weicht zurück, ist stumm, entsetzt,
und tief im Innersten verletzt
von so viel Überheblichkeit in weiß
und Rüpelhaftigkeit zugleich.

Der Mensch, er traut sich kaum zu fragen,
was diese Worte denn besagen.
“Nichts Besonderes.” so ist zu hören.
Den Arzt scheint Fragen sehr zu stören.

So trottet Mensch betrübt vondannen
mit viel Gedanken, subkutanen.
Doch eine Einsicht nimmt er mit:
DER schwor den Eid des HYPOKRIT!


Karl – meinem Vater zum 80. Geburtstag

Achtzig bist du, zweimal vierzig.
Wer dich nicht kennt, der glaubt, er irrt sich.
Nicht zu dünn und nicht zu fett,
nicht zu verlumpt, nicht zu adrett.

(Refrain:)
Drum spricht die Schar seiner Verehrer:
“Er ist und bleibt ein echter Scherer”.

Nicht eines seiner Schädelhaare
ist ihm ergraut im Lauf der Jahre.
Pechschwarz glänzt seine Schädelmatte,
als ob er niemals Ärger hatte.  (Refr.)

Ob Ölgemälde, Aquarelle,
ob Stilleben, ob Aktmodelle,
ob Farbtopf, ob Tapetenkleister –
im Pinselschwingen war er Meister. (Refr.)

Sein Pinsel ruht seit fünfzehn Jahr,
mit dem er einst so rührig war.
Den Ruhestand genießt Karl tüchtig.
Er schaut im Fernsehn nur, was züchtig – (Refr.)

Als Vater ist Karl mehr als blendend,
seine Liebe niemals endend.
Er ist von friedlichem Gemüte;
sein Herz war immer voller Güte. (Refr.)

Ist er nicht ein proprer Mann,
der sich mit jedem messen kann?
Drum sagt so mancher mit Bedacht sich:
“Ich wünscht´, ich würde auch noch achtzig!”
Und daß sich keiner von euch wundert:
Ich wette, Karl wird auch noch hundert! (Refr.)


Na, Udo Hagenberg?
(to Udo Lindenberg and Nina Hagen)

Schabadabadu, oh Mami blue!
Oh Mami, oh Papi, oh Nanni!
(Nanni heißt das Kindermädchen)
Onanie, Okasa, Oniso!
(Was ist Oniso?)
Oh, nie sollst du mich befragen,
Onanina Hagen!

O Nina, ich gönn dir dein Kommbäck,
dein Hagenbeck.
Ach, hätt so ein Kommbäck
Auch Udo Lindenbeck.
Er hat noch Schwierigkeiten
mit seinem Kommbecken.

Deshalb wird er wohl seinen Beruf
an die Hagen hängen.
Ihm fehlt eben die Beckenbauernschläue,
mit denen schlaue Schnecken
Bauern schlecken
und Lindenberge schrecken.

Schlapperdifix,
Wer schlappert, kriegt nix!
Schabadu, oh Mami blue!


Der Minigolf-Spieler

Ein Ball. Ein Loch. Ein Stock, der zielt.
Minigolf wird hier gespielt.

Der Schlag war äußerst konzentriert,
der Schläger gut zum Ball geführt,

Der Ball läuft grad´ und zielbewußt
durch´s Hindernis, wonach er just

Nach ein´ger Zeit und ohne Hast
vor´m Loche hält, in das er paßt.

Ein Windstoß kommt, direkt aus Nord,
erfaßt den Ball und rollt ihn fort,

bläst ihn tatsächlich - ach, oh Schande -
bis hin zur weißgestrichnen Bande.

Der Spieler, voll von Schaffenskraft,
versucht, ob er es jetzo schafft…

Der Schlag war gut, der Ball kommt richtig
in Richtung Loch, und das ist wichtig.

Er trifft – vom Loch die Hinterkante,
macht einen Satz und liegt im Sande.

Da gibt´s kein Ärgern, kein Verdruß,
der Ball, der muß ins Loch, er muß!

Der Spieler, nervlich stark belastet,
den Ball holt, der im Sande rastet.

Er tauscht den Ball, er tauscht den Schläger,
er tauscht die Haltung, stellt sich schräger,

er legt den Ball zu Anbeginn
an seine Auswurfstelle hin,

befreit den Grund von Laub und Sand,
nimmt dann den Schläger in die Hand,

prüft einmal noch die Kraft der Winde,
holt danach aus und schlägt gelinde.

Der Ball läuft ruhig und ohne Drall
und es erfolgt kein Zwischenfall.

Doch plötzlich: Da! Ein Käfer setzt
sich vor den Ball und wird verletzt.

Doch der, durch diesen sehr verwirrt,
jetzt in die falsche Richtung irrt – der Ball!

Oh Schicksal, du, nimm deinen Lauf!
Der Spieler flucht und gibt es auf.

Der weise Spieler, er entdeckt´s:
Das war die Tücke des Objekts!


Der Japaner Enno Moto

Der Japaner Enno Moto
schoß von seiner Kawasaki
mit ´ner Minolta sich ein Foto.
Im Hintergrund lag Nagasaki.

Im Hintergrund lag Nagasaki,
als der Japaner Enno Moto
mit ´ner Minolta schoß ein Foto
von seiner neuen Kawasaki.

Ach, was für ein hübsches Foto
von der Großstadt Nagasaki
schoß der Japaner Enno Moto.
Im Graben liegt die Kawasaki.

Schrott ist die Kawasaki.
Tot ist Enno Moto.
Zerstört ist Nagasaki.
Vergilbt schon ist sein Foto.


Die Bauchtänzerin

Auf der Bühne ist´s halbdunkel,
und im Raume ist Gemunkel.
Es verrät ein heißer Blues,
daß was Besond´res kommen muß.

Ein paar Schritte Dauerlauf,
schon ist sie da, jetzt tritt sie auf!
Und wird begrüßt mit Ovation,
was so viel heißt wie: mach mal schon!

Drauf fängt sie zu tanzen an,
zieht alle Männer in den Bann.
Musik, die wie aus Flöten tönt –
ein Witwer seufzt, ein Jüngling stöhnt.

Sie wendet sich und schiebt den Po
mal so herum und dann mal so
und wackelt – sowas nennt sich tanzen –
mit Busen, Bauch und langen Franzen.

Nun, langsam werdend wie im Traum –
bewegt sie sich durch Zeit und Raum.
Doch plötzlich – Fieber übermannt sie –
sich schüttelnd wankt bis an den Rand sie,

bäumt einmal sich noch auf und geht.
Wohl dem, der was von Tanz versteht!


Veronika Hopfenstang

(Refrain:)
Die Veronika Hopfenstang
ist ein leichtes Mädchen.
Nachts schlendert sie die Straßen lang
in unserm kleinen Städtchen.

Die Veronika Hopfenstang
hatte eine schwere Jugend.
Ihr Vater, der soff tagelang
und hatte auch sonst keine Tugend.

Die Veronika Hopfenstang,
die kennt jeder Bursch!
Sie hat einen scharfen Gang;
ihr Blick geht durch und durch.

Ihr Vater hatte sie früh verführt;
er zeigte ihr alles genau.
Sie war von so viel Liebe gerührt
und fühlte sich erstmals als Frau.

Die Veronika Hopfenstang
ist etwas schon betagt,
und doch blieb ihr ein Leben lang
so einiges versagt.

Mit zehn bekam sie Magersucht,
verstand die Welt nicht mehr.
Sie hat die Männerwelt verflucht,
nur den Vater, den mochte sie sehr.

Man muß sie bestrafen, bestrafen, bestrafen,
die ganze verrohte Männerwelt!
Und darf einer mit ihr schlafen,
dann nur für Geld, für sehr viel Geld!


Das Leibchen

Ein Mann hat eine schöne Nacht
mit einer Dame zugebracht.
Nach stundenlangem Fröhlichsein,
nach Bier und Sekt, nach Tanz und Wein,
nach Augen-, Ohren-, Magenschmaus
ging´s angeheitert spät nach Haus.

Dort fiel man kurzerhand ins Bett
und schlief bewußtlos wie ein Brett
nach kurzen Schmusen selig ein
(kein Mensch schläft gerne nachts allein).

Schon kräht der Hahn – der Morgen graut,
die Sonne durch das Fenster schaut
und mahnt: es ist bald Aufsteh-Zeit!
Doch zuvor ruft die Zärtlichkeit –
auch Frühsport macht sich gut zu zweit.

Fort fliegt das Hemd aus Brüssler Spitzen:
beim Frühsport kommt man arg ins Schwitzen!

Als man ins Bad geht nach ´ner Weile
(die Liebe duldet keine Eile),
da pochen immer noch die Lenden –
mein Gott, wo soll das einmal enden?

Frisch geduscht ziehn Frau und Mann
neue Tageskleider an.
Beim Frühstück schweigt man vor sich hin.
Gedanken kommen in den Sinn,
die schon in weiter Ferne schweifen.
Was ist schon Glück? Wer kann es greifen?

Wir nehmen, was das Leben gibt,
sind glücklich in die Welt verliebt,
küssen leise uns “Good bye!”,
und sind dann wieder vogelfrei.

Der Mann, er kehrt zurück ans Bett,
wo er noch gern die Andre hätt´,
um sich, des kurzen Schlafes wegen,
noch einmal träumend hinzulegen.

Da sieht er in der Ecke blitzen
das kleine Hemd aus Brüssler Spitzen!
Mit dem Leibchen an der Wange
schläft er nun noch mal so lange.

Tags drauf verpackt er seinen Fund
und verschickt zur selben Stund´
das Paket an jene Dame…
Hmmm, wie war denn noch der Name…?


Berauschend geiler Engel

Deine Haut wie Seide,
dein Körperchen voll Lust!
Ach, was für eine Freude:
mein Mund an deiner Brust!

Berauschend geiler Engel
mit göttlicher Figur
verschluckst fast meinen Bengel
und trinkt das Sperma pur.

Dein Mann macht´s dir von hinten,
so lieben wir zu dritt
und im Orgasmus finden
wir uns beim Himmelsritt.


Mein Gott, Walter!

Man hört kein Lachen und kein Singen,
sieht dich nie tanzen oder springen,
und das in deinem Alter.
Mein Gott, Walter!

Immer schaust du leicht bedrückt,
so, als ob dir nie was glückt,
wie ein Beamter an `nem Schalter.
Mein Gott, Walter!

Und gefällt dir etwas nicht,
ja, dann ziehst du ein Gesicht
grad wie ein Zitronenfalter.
Mein Gott, Walter!

Du fragst nicht, bist nicht wißbegierig,
doch ohne Wissen ist es schwierig.
Die Wahrheit ist ein Nebelspalter!
Such sie, Walter!

Du bist der Typ, den man versklavt,
niemals lobt und ständig straft.
So wird die Frau zum Sklavenhalter.
Mein Gott, Walter!

Dein Lebenshauch, das ist ein kalter.
Nur DU kannst deine Fesseln sprengen,
die dein wahres Ich beengen,
lieber Walter! 


Der Verleger

“Was wollen Sie denn mit Gedichten?”
spricht der Verleger ganz verwundert,
“Auf so ´nen Scheiß kann ich verzichten!
Sie sind vom achtzehnten Jahrhundert!

Wer liest denn heut´noch Poesie?
Und wer ergötzt sich noch am Reim?
Das ist doch geist´ge Onanie
und schleimiger als Haferschleim!

Was, Ihre Sachen sind beliebt
bei Freunden und bei Anverwandten?
Na, daß es so etwas noch gibt!
Das sind wohl lauter alte Tanten?

Und außerdem, für meinen Teil
find ich Krimis richtig geil,
am besten mit viel Blut und Sex,
mit Inzucht und mit Ödi Rex,

und alles, was dazu gehört.
Sehn Sie, so was ist druckenswert!”

Der Dichter hört es ganz betrübt,
weil er seine Verse liebt,
wie viele seiner Freunde auch.
Das war ein Schlag in seinen Bauch!
 
Anstatt als kritischer Betrachter
kommt der Verleger ihm als Schlachter.
Weiß denn ein Verlagsmann nicht,
wieviel Weisheit ein Gedicht

in ein paar Zeilen bergen kann,
das mit Worten, gut gewählt
manchen zieht in seinen Bann,
der nicht zu Poesie-Fans zählt?

Daß mit Reimen voll Humor
man dem Teufel kommt zuvor,
weil der, wenn die Maske fällt,
keine Macht hat auf der Welt?

Es ist des Reimes süße Pille
ein freundlicher Verpackungstrick.
So schluckt man gerne die Pastille
und blickt nicht mehr im Zorn zurück.

Dafür ist es kämpfenswert!
Der Dichter sammelt seinen Mut
und meint: “Ihr Weltbild ist verkehrt!
Die Welt ist schlecht, der Mensch ist gut!

Wir brauchen nicht gedruckten Schund,
der Leute nur verblöden läßt!
Mein Werk, das ist ein Lackmus-Test!
Das gibt der Wahrheit einen Mund!

Es will die Menschen vorbereiten
auf gute und auf schlechte Zeiten.
Es ist der Zeit voraus bei Meilen!
Da ist Sprengstoff in den Zeilen!

Da ist ´ne Moral enthalten,
die man nicht aus Krimis kennt.
Glück kann sich nur dort entfalten,
wo man das wahre Ich erkennt.

Soll die Welt sich je verbessern,
muß man in den Spiegel sehn.
Schund will diesen Blick verwässern.
Ich will zu der Wahrheit stehn!

Drum, mein lieber Herr Verleger,
machen sie sich mal die Freude:
Werden sie ein Weltbeweger!
Lesen sie mein Werk noch heute!”


Wir danken für Ihr Exemplar!

"Wir danken für Ihr Exemplar!
Es zeugt von Können und Talent,
doch paßt es grad in diesem Jahr
nicht in unser Sortiment."

Ich falle zu sehr aus dem Rahmen;
ich passe nicht zum Modetrend.
Die Leser schrei'n nach Melodramen.
Flach muß es sein und dekadent!

Die Wahrheit lehrt uns das TV:
Der Stil der Zeitenwende
ist Tragik, Streß und Ego-Schau:
Quatsch-Berieslung ohne Ende.

Nur so macht man im Medienkrieg
heut noch eine müde Mark.
Gefragt sind Heldentod und Sieg.
Nur Grausames ist wirklich stark.

"Wir senden es anbei zurück,
ihr ehrenwertes Exemplar.
Wir wünschen Ihnen noch viel Glück,
versuchen Sie es nächstes Jahr!"


Herr Schwarz

Ich bin Herr Schwarz, wie jeder weiß;
Ich bin der reichste Mann im Kreis.
Ich hab´ ein Baugeschäft zur Zeit,
das ist das größte weit und breit.

Sie sind die beste Bank im Ort,
und ich ihr bester Kunde dort.
Wo eine Hand die andre wäscht,
da geht es keinem Partner schlecht.

Drum, denke ich, es wäre nett,
wenn ich die Unterstützung hätt
bei folgendem Problem,
das wenig angenehm:

Ich habe ´nen Konkurrenten,
einen ihre Bank-Klienten,
der ist mir ein Dorn im Fleisch.

Er ist zwar nicht besonders reich,
doch schnappt er mir die Kunden weg
mit Freundlichkeit und Intellekt.

Nun hat mein Konkurrent, Herr Zank,
bei Ihnen Schulden auf der Bank.
Die Höhe schwankt an jedem Tage
je nach seiner Auftragslage.

Ist sein Limit überschritten,
möchte ich sie schlicht drum bitten,
ihm sein Konto ganz zu sperren.
Austrocknen werden wir den Herren!

Kann er dann das Geld bis morgen -
wie ich hoffe - nicht besorgen,
kriegt er den Kuckuck auf das Dach,
und die Firma Zank ist flach!

Sehn Sie, dieser Vorschlag ist
nichts als eine kleine List.
Tricks, das sind Geschäftsgebaren,
die schon immer üblich waren.

Schön, daß Sie das ähnlich sehen!
Ich wußte immer, Sie verstehen
unsere Geschäftsbelange.
Mit Ihnen ist mir niemals bange,

daß wir nicht die Zukunft schaffen.
Gemeinsam sind wir mächtig stark!
Gemeinsam gilt es, Geld zu raffen!
Es leb´ der freie deutsche Markt!


Das Begräbnis

Ach, es ist so ein Begräbnis
meist ein trauriges Erlebnis.

Selbst die allerschönste Leich'
ist doch für die Anverwandten
nur ein letzter Zapfenstreich
für jenen, dem die Sinne schwanden. 

Da liegst du nun in deinem Sarg,
dein Körper wie aus Wachs geknetet;
der Hauch des Todes trifft uns arg,
so daß man automatisch betet.

Es hat dich schnell dahingerafft;
gestern sah man dich noch gehn.
Heut ist dein Gesicht erschlafft;
mit einem Schnaufer war's geschehn.

Welch ein Schock für die Verwandtschaft;
wieder einer, der uns fehlt!
Du warst ein Mensch der Mosellandschaft.
Du hast den schnellen Tod gewählt.

Und doch ist so ein schneller Tod,
was mancher sich im Innern hofft,
statt langes Leid in Schmerz und Not.
Darüber redet man nicht oft.

Du hast dein Leben ausgelebt.
Ich weiß genau: du wolltest gehn.
Gewalt hat dir stets widerstrebt
und mancher wollt' dich nicht verstehn.

Du warst stets einer von den Braven,
doch immer deiner Zeit voraus.
Du warst dort wach, wo Andre schlafen.
Von dir ging sehr viel Liebe aus.

Du überstandest rauhe Zeiten
in russischer Gefangenschaft,
vier Jahre in Sibiriens Weiten.
Für was nur wurdest du bestraft?

Und doch hast du dich nie beklagt,
und suchtest alles zu verstehn.
Man konnt’ mit dir, wie man so sagt,
richtig Pferde stehlen gehn.

Du warst nie ein Freund von Normen,
warst sehr ehrlich und direkt.
Du hast hinter eitlen Formen
nie dein wahres Ich versteckt.

Von dir konnte man viel lernen.
Deine Stille war so tief!
Doch auch du mußt dich entfernen,
weil dich deine Seele rief.

Letztmals küss‘ ich deine Lider.
Ewig halt ich dich in Ehren!
Habe Spaß in andren Sphären!
Einmal sehen wir uns wieder!


Zum Tod eines Verwandten
 
Traurig ist´s, wenn einer geht,
weil man mehr alleine steht.
Deine Tränen, laß sie fließen;
Trauer will geleistet sein.
Wenn wir unsre Gräber gießen,
sind wir mit Gott und Tod allein.
 
Jeder Mensch auf unsern Wegen
ist ein Geschenk direkt von Gott.
Mancher ist ein schierer Segen,
manchen liebt man immerfort, 
mancher kommt uns ungelegen,
mancher bringt uns aus dem Trott.
 
Oft braucht's mehr als tausend Tage
bis man voll verstehen kann
wieviel man ganz ohne Frage
doch gelernt hat von dem Mann.
 
Und doch ist alles, was wir wissen
stets nur ein Bruchstück der Natur.
Es ist nur Stückwerk, was wir missen
von jenem, der gen Himmel fuhr
 
Ein neuer Anfang jedes Ende;
nur Wandel ist unwandelbar.
Kommt, wir reichen uns die Hände!
Wie helfen uns, wir sind uns nah!
Zusammen gehen wir durch Wände.
Gott ist in der kleinsten Schar.


Der Ochs ist tot!
(Zum Tode unseres Nachbarn Herrn Ochs)

Der Ochs ist tot!
Der Ochs ist tot!
Er sah nicht mehr das Morgenrot.
Sein Leben lang hat er geschafft;
Jetzt hat der Krebs ihn weggerafft.

Ich sah ihn noch zuweilen
durch seine Kneipe eilen,
nur noch ein Handtuch breit.
Man sah ihn niemals sitzen;
stetts war er bloß am Flitzen.
Er hatte keine Zeit.

Stets beugte er den Kopf so vor,
den Kugelschreiber hintern Ohr.
Die Lesebrille auf der Nas,
so zapfte er gar manches Glas.

Er lebte nur für sein Hotel.
Er lebte für die Erben.
Er lebte kurz und viel zu schnell
und schnell auch mußt’ er sterben.

Der Ochs ist tot!
Der Ochs ist tot!
Er sah nicht mehr das Morgenrot.
Die Seele ist ein Schmetterling…
Ich find’ es schade, daß er ging.


Der Beau

Wohin ich auch schau,
es gibt keine Frau,
die ich liebe und der
ich absolut trau.

Sie zeigen mir alle
nur ihre Kralle;
das reicht für Freundschaft
im besten Falle.

Ich bin halt ein Beau
mit gehob‘nem Niveau.
Ich mach meinen Urlaub
jedes Jahr in Bordeaux.

Da treff ich die Reichen unsrer Nation,
da lädt man mich ein in den feinsten Salon,

da lernt man sich kennen beim Aperitif,
da schlürft man Champagner, ißt “fruit des Olives”,

man ist “entre nous”, dezent dekadent,
und jeder genießt, daß man jeden kennt.

Man hat keine Freunde, man “pflegt den Kontakt”,
da wird jedes Wort gleich dreimal verpackt.

Man pflegt die gehobene Konversation
und vermeidet die kleinste Provokation.

Sie sehen, der Smalltalk der Upper Class
ist eine Pflicht und nicht etwa Spaß.

Es hat was für sich, was Bess’res zu sein;
ich laß mich ja längst nicht mit jedem ein.

Man ist sich per du auf solchen Parties.
Beliebt ist der, der besonders smart ist.

Man räckelt sich nackend im Swimmingpool,
ob man nun hetero ist oder schwul.

So genau kommt es doch auch nicht drauf an;
ich liebe den Menschen in der Frau und im Mann!

Dies ist der Lifestyle, der mich fasziniert:
gepflegt, elegant und leicht pervertiert.

Ich bin “up to date”,
wie man so schön sagt.
Ein Typ wie ich
ist heute gefragt.

Ich arbeite nie;
das schadet der Haut,
dafür ist mein Körper
auch gar nicht gebaut.

Ich bin ein Lebemann
ersten Ranges.
Ich wollte es werden
und mir gelang es!


Die alten Klassenkameraden

Der Alfred hat `n Klotz am Bein,
die könnte seine Mutter sein.

Der Bruno, der ist sportlich fit,
der nimmt fast jedes Weibsbild mit.

Der Bernhard nennt die Frauen „Schnallen“
und ist total dem Suff verfallen.

Der Detlev ist ein Bleichgesicht,
der mag keine Frauen nicht.

Der Ferninand ist viel zu fett,
der kriegt keine Frau ins Bett.

Der Fritz hat eine flotte Biene,
die fährt auf der Maso-Schiene.

Der Georg war stets ein Charmeur,
und findet immer noch Gehör.

Der Hermann hat ´nen Muttertyp,
mit großer Brust und kinderlieb.

Der Horst hat Frau und Heim in Kiel;
jetzt kann er nicht mehr, wie er will.

Der Kalle war noch nie verklemmt,
der tauscht die Weiber wie das Hemd.

Der Martin scheut sich fest zu binden,
er will was Temporäres finden.

Der Sigi, dieser Heiratsschwindler,
zahlt für sieben seiner Kinder.

Der Walter, der geht lieber Segeln,
Fische fangen oder Kegeln.


Der Spießbürger

Ein Dichter hat sich über Nacht
ein Epitaphchen ausgedacht
betreffs des Nachbarn, der verschied -
ein wohlgemeintes Abschiedslied.

Gar mancher seiner Freunde preist
das Werk ob seinem Witz und Geist.
Drum tut der Dichter sich beeilen,
es in den Häusern zu verteilen

mit seinem Namenszug versehn,
denn er kann zu den Zeilen stehn.

Ein Wächter unsrer Sittlichkeit
sieht nun den Toten schlimm entweiht
und er kritzelt ein Pamphlet -
so schlimm, wie es im Buche steht -

mit Injurien bespickt,
das er jenem Dichter schickt.
Er schimpft ihn “Bub” (das ist nicht schön),
denn er will selber sich erhöh’n

zum Übermann, zum Vater, Richter
über unsern braven Dichter
und ist gleichwohl nicht manns genug:
er läßt fort seinen Namenszug.

Wer selbst nicht steht zu seinem Wort
und sich als namenlos versteckt,
wie ein Dieb sich hält bedeckt,
des Brief gehört in den Abort!

Man sieht: so mancher “Unbekannte”
trägt einen Dolch in dem Gewande.
Wenn’s drauf ankommt, jedoch, is’  er
nur ein feiger Hosenschisser.


Der Sonntagsfahrer

So ein Frühlings-Sonnenschein
lädt doch zur Spazierfahrt ein!

Schatz, hol schnell die Strandklamotten,
wir machen heute einen Flotten!

Sonnenschirm und Badetuch,
auch zum Essen gibt`s genuch,

was zum Spielen für die Kleine,
Sonencreme für Arm und Beine,

alles in die Klapperkiste,
dann geht`s auf die Autopiste.

Was ist das bloß für ein Verkehr?
Wo sind die vielen Autos her?

Was heißt: “Die Straße ist im Bau”?
Ich brauche Sonntags keinen Stau!

Heiß ist`s heute, kaum erträglich,
und die Sonne brennt unsäglich.

Nur noch zwanzig Kilometer!
Jetzt hört auf mit dem Gezeter!

Nein, wir ham kein Schiebedach!
(Jetzt nur keinen Ehekrach!)

Was ist da vorn für ein Idiot?
Mensch, die Ampel ist doch rot!

Der fährt bei Rot und hält bei Grün!
Schon so ein blindes Huhn gesehn?

Mach mal deinen Blinker raus,
du fährst ja wie der Nikolaus!

Sie fahren ja wie Frankenstein!
Sie ham wohl keinen Führerschein?

Nicht mal parken kann die Tante!
Fährt glatt auf die Bordsteinkante!

Jetzt geben Sie doch nicht so Gas!
Ham Sie `nen Holzbein oder was?

Kann der das mir nicht ersparen,
so dicht auf mich drauf zu fahren?

Was heißt denn hier, ich bin nervös?
War ich am Steuer jemals bös?

Ich, ein Meister der Gelassenheit,
der coolste Fahrer weit und breit?

Nein, da steh ich meinen Mann,
das laß ich gar nicht an mich ran!

Von Amateuren laß ich uns beiden
das Wochenende nicht verleiden!

He, du! Bleib auf deiner Spur!
Und hupe nicht in einer Tour!

Jetzt fährt der auch noch voll mit Licht!
Bei dem ist wohl was nicht ganz dicht?

Ja, guck doch mal, wie blöd der schaut!
Der hat das Auto wohl geklaut!?

Mensch, was gibt es doch für Narren!
Und so was läßt man Auto fahren!

Warum bleibt auf `ner Sonntagsfahrt
einem so was nicht erspart?


Das Pfarrerlein

Ich kenne da ein Pfarrerlein,
das teilt grad, wie es ihm gefällt,
ganz unverschämt die Menschenwelt
in Christen und in "Wilde" ein.

So eine Hybris, so ein Mann,
der Andre gnadenlos verdammt,
zumal in öffentlichem Amt,
das regt mich stets zum Denken an.

Sind wir denn noch im Mittelalter,
der Klerus Teil der Obrigkeit,
die uns regiert wie Sklavenhalter,
stets zur Züchtigung bereit?

Lassen wir uns denn schon wieder
vor dem falschen Gnadenmann
ängstlich auf die Kniee nieder?
Fürchten wir den Kirchenbann?

Sind die, die Kircheninn'res meiden,
weil sie den Verein nicht leiden,
denn wirklich keine Gotteskinder,
sondern teuflisch schlechte Sünder?

Ich, der ich zu Hause bete,
(und viele Andre ebenso),
geb der Kirche keine Knete,
sondern spende anderswo.

Klar, bei näherer Betrachtung
paßt auch mir so mancher nicht,
doch das führt nicht zur Verachtung
dieser Menschen, nein, das nicht.

Lehret mal die Schriftgelehrten,
was die Welt des Herzens ist!
Priester sollte der nicht werden,
der mit Kirchenzollstock mißt
und den Mensch im Mensch vergißt.


Här Bullizist!

Ich haben nicht kein Licht gesehn,
kann auch nicht kein Schild verstehn,
ich haben keinen Führenschein,
und Auto das ist auch nicht mein!

Komme ich von Burtsigtag
von meine Muttergroß,
die so krank ganz lange lag.
Hölle war da los!

Feiern wir bis morgen heut,
viele rote Wein,
küssen alle Gästeleut,
fröhlich wollen sein!

Ali sag ich, ist sich Zeit,
daß sich Leber schont.
Und nur ein Straße weit,
wo sich Ali wohnt.

Fahre Freund, den Ali, ich,
der zu viel gesauft,
gibt mir Auto freundschaftlich,
hat sich grad gekauft.

Warum du willst
daß ich dir blase?
Rote Lampe?
Einbahnstraße?

Ich haben nicht kein Licht gesehn,
kann auch nicht kein Schild verstehn,
ich haben keinen Führenschein,
und Auto das ist auch nicht mein!


Hinterlassenschaft von Pit, dem Greis

Im Folgenden geben wir die Hinterlassungen
von Pit, dem Greis, wieder, die 1997 bei Ausgrabungen
in Nieder-Uhlingen gefunden wurden.

Bunt
Es sagte mal ein alter Greis:
Ich habe früh entdeckt:
Die Welt ist gar nicht schwarz und weiß,
nein, eher buntgescheckt!

Frauen
Frauen, sprach der alte Greis,
sind reine Engel in Gestalt,
doch sitzt ein Teufelchen darin,
das macht vor keinem Manne halt!

Friedlich
Es sprach der Greis: Mein Leben war
sehr friedlich für fast achtzig Jahr,
denn ich lernte schon beizeiten,
mich nur mit mir selbst zu streiten.

Liebe
Liebe, so sprach einst der Alte,
ist viel mehr als nur ein Wort.
Doch je fester ich sie halte,
um so mehr schlüpft sie mir fort.

Milch
Ach, wie schön´s ein Baby hat,
bekommt die Brust bei Tag und Nacht.
Da hat sich der liebe Gott
etwas Feines ausgedacht!

Mist
Es sprach der Greis: Das Leben ist
manchmal schon ein großer Mist.
Nur eines hält mein Herz noch jung:
Manch Röschen wächst auf altem Dung.

Nachgedacht
Es sprach der Greis: Ich hab heut nacht
über die Würde nachgedacht,
und über Einbildung und Stolz.
Ich gehe jetzt und hacke Holz.

Name
Wie ich heiße? sprach der Greis,
Was soll ein Name sagen?
Singt das Etikett vom Schweiß,
den meine Jahre tragen?


Sex
Sex, so sprach der alte Greis,
hab´ ich stets als schön empfunden.
Liebe war, so viel ich weiß,
meistens nicht daran gebunden.

Wertlos
Es sprach der Greis: ich bin´s nicht wert,
daß man als Guru mich verehrt,
bitte küßt, um mich zu grüßen,
nicht den Staub auf meinen Füßen!

Zurück
Es steht das Leben nach dem Tode
einem jedem zu Gebote,
doch kommt zu unserm großen Glück
nicht ein jeder gleich zurück!


Die Grauen Männer

Graue Männer ziehn durchs Land,
die stehlen den Menschen die Liebe;
sie klauen die Herzen und Verstand
und ersetzen sie durch Triebe.

Sie nehmen dir Freude
und geben dir Bilder.
Sie nehmen dir Spaß
und geben dir Schilder.

Sie nehmen den Alten die Katzen ab,
oft der einzige Freund,
und werfen sie ins Massengrab,
wo niemand nach ihnen weint.

Die nehmen dir Luft aus den Lungen
und flößen dir Ängste ein.
Sie geben dir Versicherungen
und halten sie nicht ein.

Es ziehen graue Männer durchs Land,
die kaufen deine Zeit.
Sie drücken dir Barscheine in die Hand,
die geben dir scheinbar die Seligkeit.

Sie drehen dein Glücksrad,
weil du es nicht drehst.
Sie verkaufen dir Krücken,
weil du alleine nicht stehst.

Sie preisen das Geld und die Karriere
und halten Mobbing für Pflicht.
Wenn das der Sinn des Lebens wäre,
lebenswert wäre es nicht.


Ein Mensch, recht wacker

Ein Mensch, recht wacker und gesund,
führt oft einen großen Mund.
Er brüstet sich oft seiner Kraft,
mit der er wahre Wunder schafft,
und tut, als könnt´ ihn nichts erschüttern.

Doch sind ihm mal die Glieder wund,
und sein Rad läuft nicht mehr rund,
ist er mal kurz abgeschlafft,
weil es fehlt an Lebenskraft,
dann läßt er sich mit Mitleid füttern,

fühlt sich selbst in jungem Jahr
plötzlich ganz dem Tode nah,
ohne Lust und Lebensmut,
klagt, wie es ein Säugling tut,
dem die Milch zu sauer war.

Es scheint dem Menschen höchst genehm,
sich zu erleben im Extrem.

Die sanften Töne heiler Mitte,
wo Herz und Geist im Mensch sich einen,
das Schreiten ausgewogner Schritte,
das ist zu selten, möcht ich meinen.


Politikerinnen

Es ist doch so, daß in DEN Kreisen
Männer mehr die Richtung weisen
und die Frauen, die gelehrten,
eher hart und männlich werden.

Manche werden gar so hart,
denen wächst ein Damenbart,
und so spritzen sich dann jene
selbst die teuren Östrogene.

Welch Verlust für diese Welt!
Da werden reizende Geschöpfe
hinfortgespült von Gier und Geld;
sie vergessen ihre Zöpfe,

ihre Zärtlichkeit und Liebe
und die Saftheit im Getriebe.
Man macht zum Bösen gute Miene
und verliert das Feminine.

Trotz großem Fleiße und auch Wissen
wird sie doch in der Partei
als Nutztier regelrecht verschlissen.
Den Männern ist das einerlei.

Oh, wie sie innerlich sich haßt,
wenn dann, knallhart und angepaßt,
sie mal erreicht das höchste Amt,
weil sie zur Männlichkeit verdammt.

Es braucht die Welt das Weib, das warme,
das alle nimmt in seine Arme,
das Frieden strahlt und Sympathie
und niemand zwingt in seine Knie.

Es braucht die Welt die sanfte Frau,
die ganz diplomatisch klug
viel mehr Herz hat und nicht Schau,
Ehrlichkeit und nicht Betrug,

die nicht im Medallien zählt
was Erfolg ist und was nicht,
die vom Herzen Gutes wählt,
und alles Andre eben nicht.

Es braucht die Welt das weiche Wesen,
das dem Krieg den Finger zeigt
und auf keinen Sockel steigt.
Nur so wird die Welt genesen!
Frauenköpfe

Ach, was steckt nur in den Köpfen
mit den Locken und den Zöpfen?

Ganz was Andres find' man oft
als der Mann es sich erhofft.

Ein Sammelbecken von Intrigen
voll von Falschheit und von Lügen!

Kann ein Mann das denn verkraften,
solch ein Weib voll Machenschaften?

Ist die reine Muskelstärke
stark genug für solche Werke?

Kann mit rationalem Denken
man des Teufel's Pferde lenken?

Ist das Mühen es denn wert?
Wird Mann dafür denn beschert?

Lohnt es denn, sie zu besiegen?
Lohnt's nicht auch, zu unterliegen?

Wie ich's wende, wie ich's falte,
das Problem bleibt stets das alte;

am Ende kommt mir die Erkenntnis
von recht mangelndem Verständnis.

Sind Leute, die sich stets befehden
am Ende doch von zwei Planeten?

Wo ist der Pfad zur Harmonie?
Frustfreie Lüste, gibt es die?

Das Leben ist ein stetes Suchen;
nicht immer gibt es Sonntagskuchen.


Hinter diesen Wänden
(Chanson)

Hinter diesen Wänden
wohnen Leute,
die da gar nicht
wohnen wollen

und nicht wissen,
was sie sollen
mit ihrem Leeeeeeeeeeeeeeeeee-ben.

Hinter diesen Wänden
wohnen Leute,
und die gehen auch nicht wählen,
auf die kann man gar nicht zählen.
Eeeeeeeeeeeeeeeeeee-ben!

Woll´n die Rechten nicht
und nicht die Linken
Sie gehen lieber einen Trinken
manche riechen nicht, sie stinken,
weil sie immer tiefer sinken,
und sie fühlen sich so voll
daneeeeeeeeeeeeeeeeee-ben!

Hinter diesen Mauern
diese Menschen,
die geschuftet haben,
sind jetzt Küchenschaben,
und sie darben
von den milden Gaben,
hätten doch so viel zu
geeeeeeeeeeeeeeeeee-ben!

Manche machen Mühe
sich schon in der Frühe,
suchen Arbeitgeber,
sind die letzten Streber
und dann kommt die Nacht,
nichts hat es gebracht,
all das Streeeeeeeeeeeeeeeeee-ben!

Sie sind nichts mehr wert,
werden aufgezehrt,
einfach weggekehrt,
immer nur belehrt,
wenn man sich beschwert,
es sei so  viel, was ihnen schon
gegeeeeeeeeeeeeeeeeee-ben!

Rationalisiert,
innerlich kastriert,
häßlich vorgeführt,
von keinem protegiert,
mit Bakschich abserviert,
wohnen Leute
hinter diesen Wänden,
die kann man nicht mehr pfänden,
die kann man nur noch schänden.


Der Schamane

Der Schamane dreht sich ganz
verzückt in einem wilden Tanz,
um böse Geister auszutreiben,
die gerne in uns stecken bleiben.

Er tanzt ums Feuer stundenlang,
der wilde Medizinermann,
spricht mit femder Zunge,
und zündet Weihrauchstäbchen an.

Er schwenkt sie über den Patienten,
um das Übel abzuwenden
und ihn dauerhaft zu schützen,
aber wird es etwas nützen?

Mal laut, mal leise unterhält
er sich mit der Geisterwelt.

Er singt und betet, jauchzt und flucht -
alles tief entrückt in Trance -
wird selbst von Geistern heimgesucht,
doch haben sie bei ihm keine Chance.

Sie kamen aus der Schattenwelt
und finden jetzt Erlösung..
Der Magier, der die Kräfte hält,
sorgt so für die Genesung.

Es erwacht nun der Patient
und reibt sich seine Augenlider.
Ist das der Körper, den er kennt?
Er kennt ihn nicht mehr wieder.

Er fühlt die Leichtigkeit des Seins
zum allerersten Male.
Mit der Natur fühlt er sich eins
seit diesem Rituale.

Moral:
Ist die Methode auch abstrus,
Erfolg ist das, was zählen muß!


Starker Typ

Wer trinkt noch einen Ouzo mit mir?
Keiner? Dann trink ich alleine!
Was für trockne Leute seid ihr,
verachtet das Schnäpschen, das feine!

Die Flasche wird auch ohne euch leer,
da bleibt eben mehr für mich.
Es trinkt euch heut, ihr wißt schon, wer,
ganz locker untern Tisch.

Sagt nicht, daß ich ein Assi wär,
hab Streß bloß im Beruf,
nehm ein paar Flaschen abends her,
und sauf mich in den Suff.

Erst Bier, dann Wein, vielleicht auch Sekt
(ich trinke alles, was mir schmeckt),
und später dann die harten Sachen
- die Krönung jeder Feier -
die kitzeln meinen zarten Rachen
mit ihrem sanften Feuer.

So geht das dann bis nachts um drei
an manchen Wochentagen.
Ich saufe und find nichts dabei;
ich kann halt viel vertragen.

Am nächsten Morgen geht's mir schlecht;
da hilft dann Aspirin.
Die Kaffeetasse hält nicht recht
in meiner Hand, weil ich am Zittern bin.

Ist mein Blick auch noch so trüb,
Das Coffein bringt mich in Trab.
Ich mache doch so schnell nicht schlapp;
ich bin ein starker Typ!
 

Jürgen Bartsch
(Kindermörder)

Ja, wenn da eine Mutter gewesen wär -
nach der Geburt verstieß sie mich schon -
statt der weißen Schwestern vor weißen Wänden,
nein, jeden Tag 'ne andere kalte Person,
in anderen kalten fremden Händen...

Ja, wenn Mama mich nicht geschlagen hätt,
den ungeliebten Stiefsohn,
wo sie doch ein Mädchen hätte wollen,
annehmen hätt' sie ein Mädchen sollen!

Sie ekelte sich vor meinem Kot,
ließ das Säubern dem Kindermädchen.
An Liebe, da tat es immer Not.
Erst später, zum Vorzeigen, da war ich genug,
da half ich im Metzgerlädchen...

Es reichte nicht zur Stiefmutterliebe,
stattdessen gab es reichlich Hiebe,
da mußten die Kleiderbügel
für Erziehung sorgen,
bis sie zerbrachen,
die Engelsflügel.
Kein Tag ohne Schläge und Prügel.

Ja, wenn einer mit mir gespielt hätte!
Aber ich durfte nicht raus zu den Andern,
und die Stiefeltern spielten nicht,
hatten keine Gefühle,
schenkten mir aber Karten
und Halma und Dame und Mühle.

Ja, mit wem hätte ich denn...?
Was dachten die sich dabei?
Aber die zweite Fleischerei
brach auch dieses falsche Zuhaus entzwei,
da war kein Platz mehr für ein Kind...

Ja, wenn der Pastor, dieser strenge Herr,
nicht so geil gewesen wär,
und seine Welt nicht so verlogen,
und so verklemmt und so verbogen,
die doch so schmerzlich unsre war,

der uns nachts aus den Betten holte,
zu sich ins Zimmer befahl,
in unsre Hintern stieß seinen Pfahl,
uns tags die Keuschheit lehrte,
prügelte, wer sich beschwerte
und auch verprügeln ließ,
in der Knabenschule, dieser Spieß.

Zucht und Anstand sollten wir lernen,
von Unkeuschem uns entfernen,
wo uns doch ewig zum Wichsen war,
ob in der Klasse oder vor dem Altar.
Zweimal frömmlicher Gottesdienst täglich
und eine halbe Stunde Hofgang. Unsäglich
dieser krankhaft sadistische Knast,
der sich Schule schimpfte.
Er war uns verhaßt.


Marcos

His name was Marcos
and his body was sore.
When his wounds had just healed
he got a few more.

He worked without stopping
ev'ry day in his life.
His power was dropping
ever since he was five.

He had been adopted
to a fam'ly of four
and his life as stepkid
left him hurt to the core.

He had been a stranger
wherever he went
and his life was in danger
at every bent.

He had fallen in love
with a beautiful wife
but her spirit was rough
and he ended in strife.

He was weak and was needy,
licked her hands like a doggy
and his wife, who was greedy,
made his mind always foggy.

Dear Marc did not feel
the abuse he was taking,
but his body was real
and was constantly aching.

He played to be tough
and swallowed some pills
but it wasn't enough
to soothen his ills.

He liked to complain
about life ev'ry day,
but the hurt and the pain
would not wander away.

His name was Marcos
and his body was sore.
When his wounds had just healed
he got a few more.


The Cosmic Ray

I have my life in full control;
for ev’rything I got a list!
I’m mainly mind and hardly soul,
because I am a scientist!

(Refrain:)
I am such a clever man
and I dissect all that I can.

I like to smile at ev’ryone.
As long as I remember
I’ve done no harm to anyone,
because I have no temper.

I’m always on the happy side;
luck is my middle name.
I wouldn’t take you for a ride
or play a dirty game.

I am naïve in many ways,
that some call me a fool.
Oh yes, I had some rainy days,
but always kept my cool.

I have my wife for me to cook
and for the fun at night.
My time is scarce. I write a book,
because I’m very bright.

My mind works like a calculator,
sharp like a razorblade.
I’d love to be world’s educator
or a head of state.

So don’t come in and shake my view!
It took me years to grow it.
And please don’t question what I do!
I’m perfect and you know it!

I have a task; that’s why I’m here.
I don’t have long to stay.
I have been send by God, my dear!
I am the Cosmic Ray!

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