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Wecker im Kopf
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Kapitel 4

Der Erfinder
und seine Welt

Des Erfinder´s Traum

Ich möcht´ Asiens Wüsten wässern
und überhaupt die Welt verbessern,

will Autos bauen ohne Räder,
mit einer Außenhaut von Leder,

´ne Schreibmaschine ohne Tasten,
Segelschiffe ohne Masten,

Motoren, welche ewig laufen,
praktisch keinen Sprit mehr saufen,

und die Umwelt nicht verschmutzen,
Schuhe, die sich selber putzen,

ein Mittel finden gegen alles,
´ne Pille für den Fall des Falles,

´nen Roboter, der Rasen mäht,
der Socken stopft und Hosen näht,

Wäsche, die stets sauber bleibt,
´nen Kugelschreiber, der stets schreibt,

Blumensträuße, die nicht welken,
und Kühe, die sich selber melken.


Der eitle Sucher

Ich möcht´ den Stein der Weisen finden,
auf daß künft´ge Gen´rationen,
die auf dieser Erde wohnen,
mir den Kranz aus Lorbeern binden

und mir ein kleines Denkmal bauen,
um es bewundernd anzuschauen.

Drum, finde ich den Stein der Weisen,
welcher Seligkeit verspricht,
wird man mich für immer preisen,
sonst bleib ich nur ein armer Wicht.


Ich möchte gern wie Einstein sein

Ich möchte gern wie Einstein sein,
sehr genial und doch bescheiden,
und so fleißig obendrein.

Physik in neue Formeln kleiden,
das ist ein alter Traum von mir.
Auch fänd´ ich gern ein Elixier,

das Gold aus Silber fabriziert,
das Meisterstück der Alchemie.
Ich gebe zu, ganz ungeniert:
das fasziniert mich irgendwie.

Ich wollt´, es würde mir mal glücken,
hinter alles dies zu blicken,

das Universum zu verstehn
und mit dem geist´gen Auge sehn,

was diese unsre Menschen-Welt
im Innersten zusammenhält.


Vor hundert Jahren

Wenn man denkt, vor hundert Jahren,
wie naiv wir da noch waren!
Da hielt man alles für erfunden!
All´ Enthusiasmus war verschwunden,

bis Michelson und Lorentz kamen
und Licht unter die Lupe nahmen.
Die zeigten: unser Bild hing schief,
denn Zeit und Raum sind relativ.

Einstein fand die Erklärung schnell,
ein echter Schock für seine Zeit:
Licht fliegt im All ganz generell
konstante Lichtgeschwindigkeit.

Planck war der nächste Hiobsbote.
Was er und andere da fanden,
brachte die Welt ganz aus dem Lote:
Licht gibt es nur ein kleinen Quanten.

Es brauchte noch ein Weilchen,
dann hatte man erkannt:
Das Licht verhält sich int´ressant,
als Welle und als Teilchen.

Der Dualismus der Physik,
die beides sich getrennt erklärt,
befriedigt nur ein kurzes Stück,
sodaß seitdem ein Zweifel gärt,

wie beides man vereinen kann
zu einer Harmonie der Dinge.
Ich hoff, daß einem schlauen Mann
des Rätsels Lösung bald gelinge!

(Entschuldigung an die Feministen, aber auf “Frau” statt “Mann”
konnte ich mir einfach keinen Reim machen.)


Laterales Denken

Ich übe laterales Denken,
so wie De Bono es uns lehrt.
Aus alten Bahnen rauszulenken,
ist für Erfinder nie verkehrt.

Ich tanze, lache, meditiere,
ich folge neuen Wegen.
Ich gucke, sehe und ich stiere
und hoff´ auf Gottes Segen.

Ich spiel´ mit Farben und mit Formen,
ich durchbreche alle Regeln
und alle angelernten Normen.
Ich lern, durch mein Gehirn zu segeln.

Ich balancier´ mit einem Stuhl,
kritzel oder male Drudel,
ich setz´ mich in den Swimmingpool
und betrachte Wasserstrudel.

Ich denke kreuz und denke quer,
es darf auch schräg und schief sein.
Und manchmal denk´ ich gar nichts mehr;
auch das kann kreativ sein.


Eureka!

Eureka! Endlich hab´ ich es gefunden!
Wieviel Tage, wieviel Stunden
habe ich danach gesucht!
Wie oft habe ich geflucht,

weil ich falsche Wege ging,
ich mich im Labyrinth verlor,
mich im Gestrüpp verfing,
ich mir vorkam wie ein Tor,

der vergißt, wonach er trachtet,
der auf keine Regeln achtet,
der sein Vertrauen nie verliert,
und weitersucht, ganz unbeirrt.

Welches Glück und welche Freude!
Feiert mit mir, alle Leute!
Mir hat sich ein Traum erfüllt,
sich die Wahrheit mir enthüllt!

Neugier, das ist nicht zum lachen,
die ist manchmal unersättlich.
Einen großen Fund zu machen,
das Gefühl ist wahrhaft göttlich!.


Die Anti-Aids Erfindung des Bruno Immuno

Bruno Immuno
bekämpft den Virus Magirus
mit der Schleudersitz-Therapie:

Angeschlossen an einen Lügendetektor
katapultiert er sich
genau eine Sekunde vor dem Orgasmus
aus dem Lotterbett,

den genial konstruierten,
doch noch nicht patentierten,
Kondom
als Fallschirm benutzend,
um den Aufprall
auf seinen Allerwertesten
zu dämpfen.

Probleme
bereitet ihm noch die Reißleine,
die das Ding
oft frühzeitig zum Platzen bringt,

sowie der Notfallschirm,
der ja auch noch
- und zwar auf kleinstem Raum -
untergebracht sein will.

Auf der Achterbahn
in Tegernsee
kam ihm die rettende Idee:

Vor dem Verkehr verstaut die Braut
die sekundäre Fallschirmhaut
im Arschloch ihres Lieben
(klappt das beim ersten Mal noch nicht,
muß man es öfter üben).

Die, die Übervorsicht hassen,
können den zweiten Fallschirm lassen.
Die Reizleine ist unentbehrlich,
auch der Schleudersitz – ganz ehrlich!
Die Sache bleibt auch so gefährlich.

Als Vorsorge für seine Rente
beantragt Bruno die Patente.

Der amtliche Prüfer ist gerührt,
als Bruno ihm das Ding vorführt.
Er lädt ihn ein mit klaren Gesten,
das Wunder selber mal zu testen.

Der Beamte denkt nicht lange,
ist schon mit Eifer bei der Stange,
und – schwups – beim ersten Sexgewimmer
fliegt er mit einem Knall durchs Zimmer.
Des Prüfers Kopf wird leicht gedellt.
“Es klappt”, meint Bruno, “halt nicht immer.
Der Sitz war wohl falsch eingestellt.”

Nach drei weiteren Versuchen
hört der Prüfer auf zu fluchen
und findet Spaß an dem Gerät,
weil er so auf Technik steht.

Das Patent wird anerkannt,
doch vom TÜV sogleich verbannt:
Der Apparat sei zu komplex
und verheddre sich beim Sex.
Für Paare mit niedrigem IQ
verbiete sich das Ding partout.

Der Fallschirm sei zu schnell verschlissen,
die Leine öfter abgerissen,
und das Verstauen jenes Zweiten
soll manchem rückwärts Pein bereiten.
Und nicht zuletzt: ein Schleudersitz
im Ehebett sei wohl ein Witz!

Es gebe ärztliche Bedenken,
man könne Glieder sich verrenken
oder gar zu Tode kommen.

Bruno liest´s und ist beklommen.

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